Kofler sieht bei humanitärer Hilfe noch Verbesserungsbedarf

Kofler sieht bei humanitärer Hilfe noch Verbesserungsbedarf
Vor 50 Jahren endete der Biafra-Krieg - ein Konflikt, der durch Bilder verhungernder Kinder bekannt wurde. In Deutschland markierte er den Start der staatlichen humanitären Hilfe. Beauftragte Kofler sieht nach Jahrzehnten noch Verbesserungsbedarf.

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Bärbel Kofler (SPD) sieht auch nach fünf Jahrzehnten staatlicher humanitärer Hilfe in Deutschland noch Verbesserungsbedarf. Notwendig sei eine bessere Verknüpfung von humanitärer Hilfe und langfristiger Entwicklungshilfe, sagte Kofler, die Ansprechpartnerin der Bundesregierung für solche Fragen ist, am Dienstag in Berlin. Krisen und Konflikte seien oftmals nicht nach vier oder fünf Monaten beendet. Für Menschen, die über Jahre in Flüchtlingscamps ausharren müssen, stellten sich Fragen zu Bildung, Gesundheitsversorgung und der Beschäftigungsmöglichkeiten.

Bei einer Diskussion von Diakonie Katastrophenhilfe und Deutschem Caritasverband zu "Humanitäre Hilfe 50 Jahre nach Biafra" im Auswärtigen Amt sprach Kofler unter anderem mit Vertretern der kirchlichen Hilfswerke über die Lehren aus dem Biafra-Krieg für das Engagement heute. Im Biafra-Krieg in Nigeria starben von 1967 bis 1970 bis zu drei Millionen Menschen. Bilder von verhungernden Kindern sorgten in westlichen Ländern für Entsetzen und führten zu breiter Solidarität mit einer großangelegten Hilfsaktion der Kirchen. Die Bundesregierung in Bonn beschloss im Zuge dessen, die staatliche humanitäre Hilfe ins Leben zu rufen. Die Zuständigkeit bekam das Auswärtige Amt.

Doch gab es an dem Engagement auch Kritik, etwa dass die Hilfen den Krieg verlängert hätten. Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob es die kirchliche Luftbrücke der "Joint Church Aid" (JCA) auch gegeben hätte, wenn die Hungernden nicht mehrheitlich Christen gewesen wären. Ferner gab es Vorwürfe, dass die "Biafra-Kinder" propagandistisch eingesetzt würden.

Martin Kessler, Direktor der Diakonie Katastrophenhilfe, sagte, solche Bilder würden heute nicht mehr verwendet, da in den Kampagnen die Würde des Menschen stark betont werde. Auch in anderen Bereichen habe sich die humanitäre Hilfe deutlich professionalisiert. So fliege seine Organisation nicht Güter ein, um sie in Krisengebieten zu verteilen. Vielmehr werde zunächst geprüft, ob mit Geld geholfen werden könne, damit es dem lokalen Markt nicht schade.

Der Leiter von Caritas International, Oliver Müller, sagte, die größte Last trügen damals wie heute die lokalen Helfer. Diese zu stärken und deren Sicherheit seien heute die ganz großen Herausforderungen. Zugleich räumte er ein, die humanitäre Hilfe arbeite bis heute in einem enormen Spannungsfeld. Wer dorthin gehe, wo es richtig wehtue, komme nicht mit ganz reinen Händen hinaus. Man müsse immer Kompromisse eingehen. Heute hätten die Organisationen aber besser als früher die Auswirkungen auf dem Schirm.

Mit Blick auf aktuelle Kriege in Syrien und im Jemen forderte Kofler, Hunger als Kriegswaffe zu ächten. Jene, die humanitäre Hilfe behinderten und Krankenhäuser bombardierten müssten benannt und an den Pranger gestellt werden. Sie räumte ein, dass dies international derzeit schwierig durchzusetzen sei. Zuletzt waren im UN-Sicherheitsrat zähe Verhandlungen nötig, um die grenzüberschreitenden Hilfslieferungen an Millionen notleidende Menschen in Syrien zu verlängern. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen werden in diesem Jahr weltweit 168 Millionen Menschen auf Schutz und Hilfen angewiesen sein.

Meldungen

Top Meldung
Gottesdienstverbot in Corona-Hotspot im Kreis Hildburghausen
Es bleibt vorerst beim Verbot von Gottesdiensten im Landkreis Hildburghausen. Behörden und Kirchen in dem Corona-Hotspot eint dabei die Hoffnung, dass bis Weihnachten die derzeit hohen Infektionszahlen wieder gesunken sind.