Diakonievorstand Lenke: Armut wird immer noch vererbt

Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen.

© Jens Schulze

Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen.

Diakonievorstand Lenke: Armut wird immer noch vererbt
Die deutsche Gesellschaft ist nach Ansicht des niedersächsischen Diakonie-Vorstandssprechers Hans-Joachim Lenke noch immer von sozialer Ungerechtigkeit geprägt. Dabei durchziehe die Spaltung zwischen Arm und Reich das ganze Leben.
13.01.2020
Karen Miether
epd

"Das fängt in der Kita an und endet in der Frage, wie man stirbt", sagte Lenke im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Mir liegt unverdaulich im Magen, dass Armut auch noch vererbt wird." Dieses brennende Thema werde in der Öffentlichkeit jedoch weiterhin zu sehr ausgeblendet.

Die Diakonie in Niedersachsen leiste mit Angeboten wie der Schuldner- und Sozialberatung zwar einen guten "Reparaturbetrieb", sagte er. "Aber wir doktern leider nur am Symptom." Lenke forderte erneut eine Grundsicherung für Kinder und mehr Investitionen in die Bildung. "Es kann uns nicht unberührt lassen, dass wir Kinder und Jugendliche haben, denen wir keine guten Chancen im Leben ermöglichen können."

Auch für den Ganztagsbetrieb an verlässlichen Grundschulen seien Veränderungen denkbar, erläuterte Lenke. Die praktische Erfahrung zeige, dass das Angebot am Nachmittag oft lediglich aus einer Betreuung der Kinder bestehe. "Da fehlt oft der Kitt zwischen den sozialen Gruppen." Er könne sich zumindest tageweise auch verpflichtende Angebote für alle vorstellen, bei denen schwächere und stärkere Schüler voneinander lernen könnten.

In Zeiten, in denen es genügend Lehrstellen gebe, seien dennoch Förderangebote für Jugendliche in Problemlagen wie die Jugendwerkstätten weiter nötig. "Wir können nicht jemanden mit 20 aufgeben und sagen, 45 Jahre Hartz-IV ist doch auch eine Perspektive." Das könne sich die Gesellschaft weder wirtschaftlich, noch mit dem Blick auf Gerechtigkeit leisten, betonte Lenke: "Gerechtigkeit ist nichts Abstraktes, sie muss sich in politischen Entscheidungen niederschlagen und darin, dass sich Lebenswege positiv verändern."

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