30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention: Unicef warnt vor Rückschritten

30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention: Unicef warnt vor Rückschritten
Fast 60 Millionen Kinder, die nicht zur Schule gehen können, täglich 15.000 Todesfälle vor dem fünften Geburtstag und eine riesige Kluft zwischen Kindern mit und ohne Chancen: Zum 30. Geburtstag der Kinderrechtskonvention gibt es noch viel zu tun.

Drei Jahrzehnte nach Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention warnt das Kinderhilfswerk Unicef vor Stagnation und Rückschritten. Seit dem historischen Versprechen von 1989 an alle Kinder der Welt gebe es Anzeichen dafür, dass positive Entwicklungen stockten oder sich die Situation der Kinder sogar wieder verschlechtere, erklärte Unicef am Montag in Berlin. Sowohl in armen als auch in reichen Ländern habe sich trotz aller Verbesserungen in den vergangenen 30 Jahren die Kluft zwischen Kindern vergrößert, die gut gefördert und behütet aufwachsen, und jenen, die keine faire Chance auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben haben.

Alle Kinder müssten die gleichen Chancen haben, betonte die 15-jährige Kinderrechtsaktivistin Negin Mogiseh aus Kaiserslautern bei der Vorstellung des Unicef-Berichts in Berlin zum 30. Jahrestag der UN-Konvention an diesem Mittwoch. "Bildung spielt hierfür eine wichtige Rolle", sagte sie. Der Unicef-Bestandsaufnahme zufolge waren die Einschulungsbemühungen bis 2007 auf Erfolgskurs. Im Jahr 2000 hätten noch rund 100 Millionen Jungen und Mädchen im Grundschulalter keine Schule besuchen können. Die Zahl sei zwar deutlich gesunken, doch inzwischen bei 59 Millionen stehengeblieben.

Erhebliche Fortschritte habe es bei der Senkung der Kindersterblichkeit gegeben, heißt es in der Studie. Trotzdem seien auch 2018 im Durchschnitt jeden Tag noch 15.000 Kinder vor ihrem fünften Geburtstag gestorben. Auch hier gelte: Kinder aus den ärmsten Familien seien einem doppelt so hohen Risiko ausgesetzt wie ihre Altersgenossen aus wohlhabenderen Familien. "Solange wir nicht auch die ärmsten und am stärksten marginalisierten Kinder erreichen, sind die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte in Gefahr", erklärte Cornelius Williams, Leiter der weltweiten Kinderschutzprogramme von Unicef.

Bei Kinderehen seien die ärmsten Mädchen in einigen Ländern heute sogar in noch größerer Gefahr, früh verheiratet zu werden, als 1989, warnt Unicef. Rückschläge verzeichnet der Bericht auch beim Thema Konflikte: Die Zahl offiziell registrierter schwerer Kinderrechtsverletzungen in Kriegs- und Krisengebieten habe sich seit 2010 verdreifacht. Auch der Klimawandel sei ein erhebliches Risiko für Gesundheit, Entwicklung und Wohlbefinden von Kindern. "Eines von vier Kindern wächst heute in Ländern auf, die von Konflikten und Naturkatastrophen betroffen sind", beklagt Unicef.

Laut einer Studie der Vereinten Nationen sind außerdem mehr als sieben Millionen Kinder weltweit ihrer persönlichen Freiheit beraubt. Das widerspreche der UN-Kinderrechtskonvention, die den Freiheitsentzug bei Kindern nur als letztes Mittel zulasse, kritisierte der Leiter der Studie, der Menschenrechtsexperte Manfred Nowak, am Montag in Genf. Bei den 330.000 Kindern, die im Zusammenhang mit Migration in Haft oder Einrichtungen säßen, gebe es Alternativen zum Entzug der Freiheit. Ausdrücklich kritisierte Nowak die US-Regierung, die Kinder und ihre illegal eingereisten Eltern zeitweise voneinander getrennt hatte.

5,4 Millionen Kinder befinden sich der UN-Studie zufolge in staatlichen Einrichtungen, etwa auch in Waisenhäusern. Weitere 410.000 sind in Haft, dazu kommen etwa eine Million Kinder, die von der Polizei in Gewahrsam genommen werden. Kinder müssten frei in familiärem Umfeld aufwachsen, betonte Nowak.

epd me/svo mih

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