Erneut Tote bei Protesten in Bolivien

Erneut Tote bei Protesten in Bolivien

Bei blutigen Zusammenstößen zwischen Anhängern von Ex-Präsident Evo Morales und Sicherheitskräften sind in Bolivien laut Medienberichten sechs Menschen getötet worden. Gewerkschaften von Koka-Bauern hätten mit einem Protestmarsch in der zentralbolivianischen Stadt Sacaba am Freitag (Ortszeit) die Rückkehr von Morales gefordert, wie die Zeitung "Los Tiempos" (Online) berichtete. Dabei hätten sie versucht, eine Polizeisperre zu durchbrechen, um zu einem Treffpunkt zu gelangen. Die Gewalt sei sowohl von Demonstranten als auch von Militärpolizisten ausgegangen. Mehr als 100 Menschen seien verletzt, 200 festgenommen worden.

Die Regierung von Übergangspräsidentin Jeanine Áñez bedauerte die Todesopfer und berief einen Runden Tisch mit allen Beteiligten ein, der am Samstag in der Stadt Cochabamba eingerichtet werden sollte. Áñez erklärte, Morales könne zwar zurückkehren, müsse dann aber mit Strafverfolgung rechnen. Morales bat Militär und Polizei über Twitter, das Massaker zu stoppen. Die Uniform der bolivianischen Institutionen solle nicht mit dem Blut des Volkes befleckt werden, erklärte er aus Mexiko, wohin er sich abgesetzt hat. Davor hatte er zu einer Vermittlung zwischen Übergangsregierung, Zivilgesellschaft und Vertretern seiner Partei MAS aufgerufen.

Morales hatte am Sonntag nach massiven Protesten gegen seine umstrittene Wiederwahl und auf Druck des Militärs sein Amt niedergelegt. Nach der Präsidentschaftswahl am 20. Oktober waren Vorwürfe des Wahlbetrugs laut geworden. Daraufhin hatte sich die zweite Vizepräsidentin des Senats, Jeanine Añez, zur Interimspräsidentin erklärt. Das Verfassungsgericht billigte die Machtübernahme. Morales und seine "Bewegung für Sozialismus" (MAS) sprechen von Putsch.

epd nam

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