Evangelische Kirche: Frieden braucht Klimagerechtigkeit

Evangelische Kirche: Frieden braucht Klimagerechtigkeit
Der Klimawandel wird zu einer Bedrohung für den Frieden. Er verschärft Konflikte weltweit und führt schon jetzt in Entwicklungsländern zu Armut und sozialer Ungleichheit, heißt es in einer Friedens-Kundgebung der evangelischen Kirche.

Die evangelische Kirche rückt den Klimaschutz in den Fokus christlicher Friedensethik. "Für Frieden in der Welt ist Klimagerechtigkeit eine unabdingbare Voraussetzung", heißt es in einem am Mittwoch auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Dresden verabschiedeten Kundgebungstext. Darin fordert das höchste Gremium der evangelischen Kirche die Bundesregierung auf, die Klimaschutzziele umzusetzen. Die diesjährige Jahrestagung der Protestanten hatte sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Friedensethik befasst. Nach Ende der viertägigen Synodenberatungen war für Mittwochabend ein Gottesdienst in der Frauenkirche geplant.

Der Klimawandel entziehe Menschen die Lebensgrundlagen, heißt es in dem Text zur Friedensethik. Das führe zunehmend zu gewaltsamen innerstaatlichen und zwischenstaatlichen Konflikten sowie Migrationsdruck. So wirkten die "katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels als Konfliktbeschleuniger". "Eine gerechtere, ressourcen-schonendere und die Würde aller Menschen achtende Weltordnung ist der wichtigste Beitrag für mehr globale Sicherheit und weniger Konflikte", erklärte das Kirchenparlament.

Die Kundgebung hält am Grundsatz der evangelischen Friedensethik fest, zivilen und gewaltfreien Mitteln der Konfliktlösung den Vorrang vor militärischen Lösungen zu geben. Der Text spreche sich sehr klar für Gewaltfreiheit aus, sagte die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, am Mittwoch vor Journalisten.

Das Dokument enthält zudem die Forderung an die Bundesregierung, mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts für entwicklungspolitische Maßnahmen auszugeben. Die Forderung orientiert sich an dem Nato-Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes für Verteidigung auszugeben. US-Präsident Donald Trump hatte die Deutschen in der Vergangenheit immer wieder dazu gedrängt, das auch umzusetzen.

Die Synode beschloss außerdem, junge Menschen stärker an ihren Entscheidungen zu beteiligen. Mindestens 20 von 128 Synodalen - das sind rund 16 Prozent - dürfen in Zukunft zu Beginn ihrer Amtszeit nicht älter als 26 Jahre sein. Die Jungsynodalen erhalten das volle Antrags- und Stimmrecht und werden somit zu vollständigen Mitgliedern der Synode. Die am Mittwoch mit der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossene Regelung gilt ab 2020 und somit für die nächste Amtsperiode der Synode, die 2021 beginnt und sechs Jahre dauert.

Zudem verabschiedete die Synode am Mittwoch den Haushalt für das Jahr 2020. Alle Delegierten stimmten dem Entwurf zu. Der Haushaltsplan sieht Aufwendungen in Höhe von 222,1 Millionen Euro vor und damit 4,5 Millionen Euro mehr als 2019. Der Etat sieht unter anderem 1,3 Millionen Euro zusätzlich für die Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs vor. Der Haushaltsausschuss stellte mit Billigung der Synode zudem eine Million Euro als finanziellen Puffer zur Verfügung.

Im kommenden Jahr will sich die Synode angesichts der sinkenden Mitgliederzahl schwerpunktmäßig mit der Zukunft der evangelischen Kirche befassen. Eine von der EKD beauftragte Studie von Finanzwissenschaftlern der Universität Freiburg prognostiziert, dass sich die Zahl der Kirchenmitglieder bis 2060 gegenüber dem heutigen Niveau halbiert und sich das in ähnlichem Umfang auch auf die Einnahmen auswirken wird. Die EKD ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen mit derzeit rund 21,1 Millionen Protestanten. Die Synodentagung 2020 findet vom 8. bis 11. November in Berlin statt.

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