Indien und Pakistan öffnen Grenzkorridor für Pilger

Indien und Pakistan öffnen Grenzkorridor für Pilger

Die verfeindeten Nachbarn Indien und Pakistan haben in einen ungewöhnlichen Schritt einen Korridor für Pilger an der Grenze eingeweiht. Der 4,5 Kilometer lange Weg erlaubt es indischen Sikhs zum Darbar-Sahib-Tempel in der pakistanischen Stadt Kartarpur zu gelangen, wie der TV-Sender "India Today" am Samstag berichtete. Der Korridor wurde von Indiens Premierminister Narendra Modi und dem pakistanischen Regierungschef Imran Khan in getrennten Zeremonien eingeweiht. Unter den ersten Pilgern, die das Heiligtum in Pakistan besuchten, befand sich auch Indiens Ex-Regierungschef Manmohan Singh.

Der Korridor verbindet den Dera-Baba-Nanak-Schrein auf der indischen Seite mit dem Darbar-Sahib-Tempel auf der pakistanischen Seite, wo der Begründer der Sikh-Religion, Guru Nanak, die letzten 18 Jahre seines Lebens verbracht haben soll. Mit der Einweihung des Pilger-Korridors können indische Gläubige erstmals ohne Visum das Heiligtum besuchen. Für Besuchserlaubnisse mussten Pilger in der Vergangenheit einen schwierigen bürokratischen Prozess in Kauf nehmen.

Die Einigung zwischen den beiden Atommächten, die bereits drei Kriege gegeneinander geführt haben, gilt als ein Meilenstein. Bis kurz vor der Eröffnung gab es immer wieder Rückschläge, die das Projekt in Frage stellten, weil etwa Pakistan eine Visagebühr verlangte, was Indien ablehnte. Die Einweihung des Korridors erfolgt drei Tage vor dem 550. Geburtstag des Religionsgründers am 12. November.

Sikhs machen etwa zwei Prozent der rund 1,3 Milliarde starken Bevölkerung Indiens aus. Die Sikh-Männer sind meist an ihren bunten Turbanen zu erkennen. Die religiöse Reformbewegung, die Ende des 15. Jahrhunderts aus dem Hinduismus hervorging, ist vor allem in der Punjab-Provinz im Nord-Indien stark vertreten. Dort steht das wichtigste Heiligtum der Religionsgemeinschaft, der Goldene Tempel von Amritsar. Mit der Teilung von Indien und Pakistan flohen viele Sikhs aus dem islamischen Pakistan nach Indien. Nur eine kleine Minderheit von etwa 20.000 Sikhs lebt heute noch in Pakistan.

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