Studie: Mietschulden am häufigsten Auslöser für Wohnungslosigkeit

Studie: Mietschulden am häufigsten Auslöser für Wohnungslosigkeit

Mietschulden und Mietzahlungsschwierigkeiten sind mit Abstand der größte Auslöser für Wohnungslosigkeit in Deutschland. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer bundesweiten Studie, die am Montagabend in Bremen vorgestellt wurde. Autoren sind Forscher der Bremer Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wurden. Es sei die erste bundesweite Studie zur Wohnungsnotfall-Problematik seit etwa 15 Jahren, hieß es.

Für die Studie haben die Sozialwissenschaftler auch Daten zum Umfang der Wohnungslosigkeit erhoben. "Am Stichtag 31. Mai 2018 waren geschätzt zwischen 313.000 und 337.000 Menschen in Deutschland wohnungslos", bilanzierte Projektleiter Volker Busch-Geertsema. Die größte Gruppe stellten wohnungslose Flüchtlinge mit Schutzstatus. Bei der überwiegenden Mehrheit der wohnungslosen Menschen handele es sich zudem um alleinstehende Menschen.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass das Recht in Deutschland viele gute Instrumente zur Vermeidung und Behebung von Wohnungslosigkeit vorsehe, sagte Busch-Geertsema. Sie würden jedoch nicht immer und überall genutzt. Kommunale Hilfen seien häufig nicht ausreichend aufeinander abgestimmt. Nachholbedarf gibt es der Studie zufolge auch bei präventiven Angeboten, um Wohnungslosigkeit zu vermeiden, beispielsweise bei der Übernahme von Mietschulden durch Jobcenter.

Als großes Problem bestätigte sich überdies der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Acht von zehn befragte Stellen gaben in einer Online-Befragung an, dass sich die Integration von Wohnungslosen in normale Wohnverhältnisse seit 2015 verschlechtert habe. Besonderer Mangel an bezahlbarem Wohnraum herrsche für kleine und für besonders große Haushalte.

Die Studie fußt auf drei Teiluntersuchungen. Dazu gehörte eine Online-Befragung unter Kommunen, freien Trägern der Wohnungsnotfallhilfe sowie knapp 100 Jobcentern in allen Bundesländern. Ergänzt wurde sie durch vertiefende lokale Fallstudien in zwölf Städten und Landkreisen sowie 31 Interviews mit Betroffenen.