Evangelische Bischöfe verurteilen Ausgrenzung

Schlosskirche Wittenberg

© Peter Endig/dpa

Besucher feiern am Reformationstag in der Schlosskirche zu Wittenberg Gottesdienst. Hier nahm die Reformation vor mehr als 500 Jahren ihren Anfang.

Evangelische Bischöfe verurteilen Ausgrenzung
Aufrufe zu Toleranz bestimmten die Predigten zum Reformationstag in diesem Jahr. In Berlin plädierte Bischof Dröge für einen Tag der interreligiösen Verständigung.

Bei den Feiern am diesjährigen Reformationstag haben evangelische Geistliche zu mehr Toleranz und Verständigung in der Gesellschaft aufgefordert. In einem Gottesdienst in der Schlosskirche in Wittenberg, dem Ausgangspunkt der Reformation vor mehr als 500 Jahren, wandte sich die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, gegen Ausgrenzung. Gegenwärtig zögen Spuren von Menschenverachtung und hasserfüllter Wut durch sämtliche Teile Europas und der ganzen Welt, sagte die westfälische Präses. Sie forderte, den Mund aufzumachen, "wo die Würde und die Freiheit anderer in den Dreck gezogen werden".

Der Bischof der hannoverschen Landeskirche, Ralf Meister, sagte: "Wir leben in Zeiten, in denen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass wieder laut werden." Sie seien auch nicht "in der Mitte angekommen", wie es nach dem antisemitischen Anschlag in Halle geheißen habe: "Sie waren nie weg. Und sie kommen wieder an die Oberfläche und reißen andere in ihre Dummheit und ihren Wahn", warnte der Bischof der größten deutschen Landeskirche in der Marktkirche der niedersächsischen Hauptstadt. Auch der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit wandte sich gegen Antisemitismus. Es erfülle ihn mit Wut und Traurigkeit, dass jüdische Geschwister Angst um Leib und Leben haben müssten, "weil sie sich zu ihrem Glauben bekennen und zum Gebet versammeln", sagte er in einem Radiogottesdienst aus der Stadtkirche in Jever.

Toleranz und wechselseitige Achtung

Der Berliner Bischof Markus Dröge schlug angesichts von völkischem Gedankengut und Übergriffen auf Juden vor, "den Reformationstag als einen Tag interreligiöser Verständigung insgesamt zu begehen". "Wir können den Reformationstag zum Anlass nehmen, einen gesamtgesellschaftlich bedeutsamen Tag der Toleranz zu feiern. Als einen Tag für das friedliche Miteinander der Religionen und für eine offene Gesellschaft", sagte er in einem Gottesdienst in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.

Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad forderte eine Kultur der wechselseitigen Achtung. Unterschiedliche Überzeugungen könnten nicht mit Gewalt oder Unterdrückung, sondern nur in einer Atmosphäre der Toleranz und des Respekts ausgetragen werden, sagte Schad laut vorab verbreitetem Redemanuskript in seiner Predigt am Abend in der Zwölf-Apostel-Kirche in Frankenthal.

Diskussion um "Judensau"

Der Reformationstag erinnert an die Veröffentlichung der 95 Thesen gegen Missstände in der mittelalterlichen Kirche durch Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517. Luther soll sie der Überlieferung zufolge an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angebracht haben. Seine Thesen lösten die Reformation aus, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

Die andere große Kirche Wittenbergs, die Stadtkirche, steht derzeit selbst im Fokus einer Debatte um Antisemitismus. Seit langem tobt ein Streit um die Frage, ob das umstrittene Relief "Judensau" von ihrer Fassade entfernt werden soll.

Zwei Schwestern des "Bündnis zur Abnahme der Judensau" stehen am Reformationstag mit einem Transparent mit der Aufschrift "Was bleibt nach dem antisemitischen Terror in Halle? Eine Judensau" an der Stadtkirche in Lutherstadt Wittenberg.

Die Vize-EKD-Ratsvorsitzende Kurschus plädierte für die Entfernung. "Ich finde, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft nichts verloren hat", sagte sie im "Mittagsmagazin" des ZDF am Rande des Gottesdienstes in Wittenberg. Alles, was Antisemitismus befördern könnte, "sollten wir tatsächlich aus der Öffentlichkeit verbannen", fügte sie hinzu.

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