Kirchenleitung entlässt Landesbischof Rentzing aus dem Amt

Kirchenleitung entlässt Landesbischof Rentzing aus dem Amt
Sondersynode will am 2. November beraten
Der sächsische evangelische Landesbischof Carsten Rentzing scheidet vorzeitig aus dem Amt. Er stolperte über seine Biografie. Neuwahlen für das Bischofsamt sind im Frühjahr 2020 geplant.

Der sächsische evangelische Landesbischof Carsten Rentzing scheidet zum 31. Oktober aus dem Amt. Das habe die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen am Montag auf ihrer Sitzung in Dresden entschieden. Nach "langer und intensiver Beratung" sei beschlossen worden, das "Einvernehmen mit dem Bischof herzustellen", sagte der Synodalpräsident und stellvertretende Vorsitzende der Kirchenleitung, Otto Guse, am Montag nach der Sitzung in Dresden. Rentzing hatte am 11. Oktober seinen Rücktritt erklärt.

In einer am Montag veröffentlichten Erklärung Rentzings hieß es: "Mein Amt zur Verfügung zu stellen, geschah aus eigener freier Entscheidung." Er sei "weder durch das Landeskirchenamt noch durch die Kirchenleitung unter Druck gesetzt worden". Allerdings habe er angesichts der öffentlichen Diskussion um seine Person keine Gewissheit, ob er "der Einheit der Landeskirche im Amt des Bischofs weiter dienen kann", hieß es.

Guse bedauerte den Rücktritt von Rentzing. "Ich habe selten einen so wunderbaren Geistlichen kennengelernt", sagte er. Er könne ihn aber "nicht zwingen gegen seinen Willen Landesbischof zu sein".

Der als streng konservativ geltende Theologe Rentzing war in die Kritik geraten, seine als Student eingegangene Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung lange verschwiegen zu haben. Zudem wurde öffentlich, dass er zwischen 1989 und 1992 Texte für die rechtskonservative Zeitschrift "Fragmente" verfasst hat. Mehrere Unterschriftenaktionen forderten den Verbleib des Bischofs im Amt. Rentzing war 2015 von der evangelisch-lutherischen Landessynode mit einer Stimme Mehrheit zum Bischof gewählt worden.

Was aus der aktuellen Situation der Landeskirche zu lernen sei, darüber wolle die Synode schon am 2. November auf einer Sondersitzung beraten, die aus formalen Gründen als erweiterte Präsidiumssitzung anberaumt wurde, sagte Guse. Zu klären seien unter anderem Fragen der "medialen Präsenz von Personen" sowie Begrifflichkeiten, "was rechtsextrem und was ein wertorientierter Christ ist".

Für die Neuwahl einer neuen Bischöfin oder eines neuen Bischofs ist für den 29. Februar und 1. März 2020 eine Sondersynode angesetzt. In welcher Form künftig Biografien von Bischofskandidatinnen und -kandidaten überprüft werden, das sei noch offen, sagte Guse.

Wie der Präsident des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach, sagte, wolle sich Carsten Rentzing in einer der folgenden Wochen nochmals öffentlich äußern. Zugleich betonte er, alle Kirchenmitglieder seien dazu aufgerufen, an der Einheit der Kirche mitzuarbeiten. "Da sind auch Kompromisse nötig, aber anders geht es nicht", sagte Vollbach. Zeitgleich zur Kirchenleitungssitzung hatten etwa 100 Personen am Montagabend vor dem Landeskirchenamt für den Verbleib von Rentzing demonstriert.

Rentzing will sich den Angaben zufolge nach seinem Urlaub noch mal öffentlich äußern. Seine beiden Amtsvorgänger hatten am Montag in einer Erklärung zur Einheit der Kirche aufgerufen. Ohne den nötigen inhaltlichen Auseinandersetzungen auszuweichen, müsse das Bemühen um Frieden und Versöhnung leitend sein, betonten die früheren sächsischen Landesbischöfe, Volker Kreß und Jochen Bohl.

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