Katholische Laienbewegung sieht Gefahren aus Rom für Reformprozess

Katholische Laienbewegung sieht Gefahren aus Rom für Reformprozess

Der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland ist nach Ansicht der Laienbewegung "Wir sind Kirche" durch Druck aus dem Vatikan gefährdet. Wenn es nicht gelinge, die Augenhöhe zwischen Laien und Bischöfen beim sogenannten synodalen Weg beizubehalten, werde der Prozess scheitern, sagte Christian Weisner vom Bundesteam der katholischen Reformbewegung am Freitag in Ludwigshafen. Unter dem Motto "In Bewegung bleiben" findet die Bundesversammlung von "Wir sind Kirche" an diesem Wochenende in Neustadt an der Weinstraße statt.

Die Lage in der katholischen Kirche in Deutschland sei zum Zerreißen angespannt, sagte Weisner. Er frage sich, ob die deutschen Bischöfe unter dem Druck aus Rom einknickten oder nicht. Und er hoffe, dass sich das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZDK) beim "synodalen Weg" nicht mit weniger als der eindeutigen Gleichberechtigung von Bischöfen und Laien zufrieden geben werde. Beim "synodalen Weg" beraten Bischofskonferenz und ZDK die Themen Machtstrukturen, Sexualmoral, Zölibat und die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche.

Der Missbrauchsskandal habe die Kirche in eine existenzielle Vertrauenskrise gestürzt, sagte Weisner. Für viele Bischöfe in Deutschland sei dies Anlass, über strukturelle Veränderungen zu diskutieren. Dadurch seien Forderungen der Kirchenvolksbewegung aus dem Jahr 1995 nun auf die Tagesordnung des "synodalen Wegs" gelangt.

Scharfe Kritik übt die Reformbewegung an der römischen Kurie. Das System im Vatikan habe sich selbst zum Glaubenssatz erhoben und an die Stelle des Evangeliums gesetzt, sagte Magnus Lux vom Bundesteam. Die Kurie maße sich an, der Kirche weltweit Denk- und Sprechverbote zu erteilen. Es sei erfreulich, dass der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gegen diese römischen Zumutungen klar Position bezogen habe.

Wenn die Kirchenleitung beim Reformprozess versage, stünden die Kirchengemeinden in der Pflicht, sich selbst zu ermächtigen, um die frohe Botschaft von Gottes Reich in die Welt zu tragen, sagte Lux. Manche Kleriker verkündigten diese Botschaft nur noch mit Worten, ließen es aber an Taten fehlen.

Die Kirchenbewegung "Wir sind Kirche" ging aus einem 1995 in Österreich gestarteten Kirchenvolksbegehren hervor und setzt sich nach eigenen Angaben für eine Erneuerung der römisch-katholischen Kirche auf Basis des Zweiten Vatikanischen Konzils ein. Die Bewegung wurde 1996 in Rom gegründet und ist derzeit in mehr als 20 Ländern vertreten.

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