Kirchenrechtler: Säkulare größte Herausforderung für Religionsrecht

Kirchenrechtler: Säkulare größte Herausforderung für Religionsrecht

Im verfassungsrechtlichen Verhältnis zwischen Staat und Religion sieht der Kirchenrechtler Hans Michael Heinig die größte Herausforderung durch weitere Säkularisierungstendenzen. "Tagespolitisch ist der Umgang mit dem Islam viel interessanter, mittelfristig politisch scheint mir der Umgang mit der rein säkularen Lebensoption aber viel dramatischer", sagte Heinig am Mittwoch bei einem Kongress der Unionsfraktion im Bundestag zu dem Thema in Berlin. Es scheine ihm "die Gretchenfrage" zu sein, wie man mit denen umgehe, die die rein säkulare Option ziehen.

Immer stärker forderten säkulare und humanistische Gruppen in den vergangenen Jahren eine stärkere Trennung von Staat und Religion. Das Grundgesetz sieht eine Trennung vor, gibt den Kirchen aber auch ein weitgehendes Selbstbestimmungsrecht, das sich etwa im kirchlichen Arbeitsrecht auswirkt. Einzelne Regelungen geraten dabei unter Druck. Im vergangenen Jahr hatte etwa das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass kirchliche Arbeitgeber bei der Besetzung von Stellen nicht in jedem Fall die Kirchenzugehörigkeit voraussetzen dürfen.

Zum Thema Islam sagte Heinig, der Kirchenrecht an der Universität Göttingen lehrt, er sehe nicht, dass in den kommenden 20 bis 30 Jahren "Masterpläne oder Superlösungen" erreicht werden könnten. Gerungen wird etwa um Religionsunterricht oder Gefängnis- und Militärseelsorge, die bei den Kirchen etabliert sind, bei den muslimischen Gemeinschaften aber vor allem an deren Organisation scheitern.

Heinig sagte, der Staat habe für den Islam viel möglich gemacht. Umgekehrt sei die erhoffte Dynamik in den muslimischen Verbänden aber nicht erfolgt. "Diese Hoffnung ist im Moment betrogen worden", sagte er. "Wenn das Staatskirchenrecht nur hinge am Umgang mit dem Islam und den Folgen dort, dann sehe ich schwarz", sagte Heinig, der auch Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

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