Historiker Wolffsohn kritisiert mangelnde Sicherheit für Juden

Historiker Wolffsohn kritisiert mangelnde Sicherheit für Juden

Der Historiker Michael Wolffsohn hat scharfe Kritik an den staatlichen Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen in Deutschland geübt. "Die Katastrophe von Halle zeigt in erschreckender Weise den Gegensatz zwischen wörtlichen Bekundungen und der faktischen Sicherheitslage für Juden in Deutschland", sagte der in Israel geborene Wissenschaftler dem Nachrichtenradio MDR Aktuell am Donnerstag in Halle.

Der Schutz der jüdischen Bevölkerung sei zwar allen demokratischen Parteien ein ehrliches Anliegen, bei der Verfolgung von Straftaten gebe es aber Defizite, sagte Wolffsohn weiter. "Wir haben einen Gegensatz zwischen Wort und Tat. Dieser muss schleunigst verändert werden", erklärte er auch mit Verweis auf den Messerangriff vor einer Synagoge in Berlin vergangenen Freitag.

Wolffsohn forderte auch Konsequenzen bei den Sicherheitsbehörden. "Der Sicherheitsapparat muss auf Vordermann gebracht werden, das ist in sträflicher Weise vernachlässigt worden", sagte der emeritierte Professor. Jedoch müssten nicht nur Personal aufgestockt, sondern auch rechte und antisemitische Tendenzen in der Polizei bekämpft werden, fügte er hinzu.

In Halle waren am Mittwoch während eines Gottesdienstes zum jüdischen Feiertag Jom Kippur in der Nähe einer Synagoge zwei Menschen erschossen worden. Der Täter soll versucht haben, in die Synagoge einzudringen, was aber misslang. Am frühen Nachmittag wurde der Verdächtige Stephan B. festgenommen. Die Behörden stufen die Attacke mittlerweile als "rechtsextremistischen Terroranschlag" ein.

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