Proteste in Haiti behindern die Arbeit von SOS-Kinderdörfern

Proteste in Haiti behindern die Arbeit von SOS-Kinderdörfern

Die gewalttätigen Proteste gegen die Regierung in Haiti behindern die Arbeit von Hilfsorganisationen. "Wir haben bereits eine Reihe von Hilfsprogrammen schließen müssen", sagte der Leiter der SOS-Kinderdörfer in Haiti, Darius Celigny, am Donnerstag in Port-au-Prince. Mitarbeiter kämen wegen der angespannten Sicherheitslage nicht zuverlässig zur Arbeit, Straßen seien durch Blockaden und Demonstrationen unpassierbar. Auch der Treibstoffmangel mache es schwierig, Kinder und Familien in Not zu unterstützen.

Blockaden und Demonstrationen haben das öffentlichen Leben in haitianischen Städten in den letzten Wochen stark beeinträchtigt. Um Schüler und Lehrer nicht zu gefährden, hätten SOS-Kinderdörfer alle ihre drei Schulen und ein Ausbildungszentrum geschlossen, sagte Celigny. Auch die Sozialzentren der Organisation hätten sämtliche Workshops und Beratungen eingestellt. Der Betrieb in den drei Kinderdörfern, in denen insgesamt 400 Jungen und Mädchen lebten, gehe unterdessen ungemindert weiter.

Die Proteste entzündeten sich unter anderem an Korruptionsvorwürfen gegen den Präsidenten Jovenel Moïse, der im Rahmen des Programms "Petrocaribe" Gelder veruntreut haben soll. Über "Petrocaribe" hatte Haiti von der venezolanischen Regierung Erdöl zu günstigen Preisen erhalten. Seit Venezuela die Lieferungen eingestellt hat, leidet der Karibikstaat unter massivem Treibstoffmangel.

Haiti gilt als ärmstes Land Lateinamerikas, zu Beginn des Jahres waren den SOS-Kinderdörfern zufolge 2,6 Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen, knapp ein Viertel der Bevölkerung. "Wenn es nicht bald eine Lösung gibt, wird sich vor allem die Lage der Ärmsten noch weiter verschärfen", sagte Celigny.

Auch die UN hatten zuletzt von Schwierigkeiten bei der Zustellung von Hilfsgütern in Haiti berichtet. Allerdings habe das UN-Kinderhilfswerk Unicef nach einem relativ ruhigen Wochenende Diesel und Sauerstoff an 29 Krankenhäuser geliefert, sagte ein UN-Sprecher am Dienstag in New York. Auch die Weltgesundheitsorganisation habe Krankenhäuser in der Hauptsstadt Port-au-Prince mit Medikamenten versorgt. Zudem seien erstmals seit drei Wochen 14 Schulen vom UN-Welternährungsprogramm mit Essen beliefert worden.

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