Katholische Bischöfe einigen sich auf Satzung für "synodalen Weg"

Katholische Bischöfe einigen sich auf Satzung für "synodalen Weg"
Kölner und Regensburger Bischof stimmen gegen Satzung
Die katholischen Bischöfe haben sich jetzt auf eine Satzung für den kirchlichen Reformprozess geeinigt, der am 1. Advent beginnen soll. Der Vatikan soll nun keinen Grund mehr zum Einspruch haben. Doch zwei Bischöfe konnten trotzdem nicht zustimmen.

Fulda (epd). Die katholischen Bischöfe haben sich auf eine Satzung für den geplanten kirchlichen Reformprozess geeinigt. "Wir sind zu einer guten Lösung gekommen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Donnerstag zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung in Fulda. Der "synodale Weg" soll am 1. Dezember, den 1. Advent, beginnen. Bischöfe und katholische Laien wollen in einer verabredeten Struktur die Folgen des Missbrauchsskandals, klerikalen Machtmissbrauch, Fragen der katholischen Sexualmoral und die Rolle der Frauen in der Kirche diskutieren.

Vor der Herbst-Vollversammlung hatte der Vatikan Einspruch gegen einen ersten Satzungsentwurf eingelegt. Marx hatte zu Beginn der Vollversammlung der Bischöfe indes klargestellt, es gebe "kein Stoppschild aus Rom". In einem nächsten Schritt muss das Zentralkomitee der deutschen Katholiken der Satzung zustimmen.

Zwar hätten nicht alle Bischöfe die Satzung gebilligt, doch alle hätten in einer zweiten Abstimmung angegeben, den "synodalen Weg" mitgehen zu wollen, sagte Marx. Bereits vor Marx' offizieller Bilanz hatten der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, bekanntgegeben, gegen die Satzung gestimmt zu haben. Woelki erklärte am Donnerstag auf Twitter, er werde sich aber einem Gespräch nicht verweigern.

Vorderholzer erklärte, an der Basis des synodalen Prozesses stehe "eine Unaufrichtigkeit". Aus den Fällen des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche den Schluss zu ziehen, dass es beim Erneuerungsprozess um Themen wie den Zölibat, Machtmissbrauch, Frauen in der Kirche und Sexualmoral gehen müsse, sei "pseudowissenschaftlich". Dem synodalen Prozess werde er sich zwar nicht verschließen, doch er behalte sich vor, "nach ersten Erfahrungen gegebenenfalls ganz auszusteigen", erklärte er am Donnerstag. Woelki und Vorderholzer hatten der Bischofskonferenz eine alternativen Satzungsentwurf vorgestellt, der jedoch keine Mehrheit gefunden hatte.

Wie schon am Montag demonstrierten auch am Donnerstag wieder Frauen für Gleichberechtigung in allen kirchlichen Ämtern und Diensten. Dieses Mal waren rund 150 katholische Frauen der Initiative "Maria 2.0." aus Kassel nach Fulda gekommen. Die Frauen verschafften sich auf ihrem Demonstrationszug durch die Stadt mit Kochlöffeln, Topfdeckeln und anderen Utensilien lautstark Gehör.

Die Neuregelung der Anerkennungsleistungen für Opfer sexuellen Missbrauchs war ebenfalls Thema der Vollversammlung. Wie schon am Mittwoch bekanntgeworden war, haben sich die Bischöfe jedoch noch nicht für das Modell entschieden. Zwei Varianten sind in der Diskussion: eine pauschale Entschädigungsleistung in Höhe von 300.000 Euro oder ein Stufen-Modell mit Beträgen zwischen 40.000 und 400.000 Euro, das den Einzelfall stärker berücksichtigt. Marx betonte, der Wille sei da, juristische, finanzielle und strukturelle Fragen in den kommenden Monaten zu klären. Die vor einem Jahr veröffentlichte Missbrauchsstudie sei weiterhin "ein Auftrag" für die Bischöfe, sagte er.

65 Bischöfe hatten von Montag an in Fulda unter anderem über die Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie, den "synodalen Weg" und die bevorstehende Amazonas-Synode im Vatikan beraten.

epd lbw/lmw/hei fu

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