Thierse: "Nicht irritieren lassen durch Reaktionäre im Vatikan"

Thierse: "Nicht irritieren lassen durch Reaktionäre im Vatikan"

Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat die katholischen Bischöfe aufgerufen, trotz Kritik aus dem Vatikan den angestrebten Reformprozess voranzutreiben. Zu Beginn der Herbst-Vollversammlung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Fulda appellierte er an die Bischöfe, "sich nicht durch die Reaktionären im Vatikan irritieren zu lassen", sagte Thierse dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND) am Montag.

Die 69 Bischöfe beraten unter der Leitung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, von Montag bis Donnerstag in Fulda unter anderem über den "synodalen Weg" - einen kirchlichen Reformprozess unter Beteiligung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, dem höchsten Laien-Gremium der deutschen Katholiken. Thierse ist Mitglied des Zentralkomitees.

Der "synodale Weg" befasst sich mit den Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal und soll klerikalen Machtmissbrauch, die katholische Sexualmoral und den Zölibat sowie die Rolle der Frau in der Kirche diskutieren. Die Beratungen von Bischöfen und Vertretern des Zentralkomitees sollen am 1. Advent in Frankfurt beginnen.

Der Vatikan hatte die Organisation des "synodalen Wegs" infrage gestellt und das geplante Stimmrecht für Laien sowie die Zuständigkeit der deutschen Katholiken als eine Teilkirche kritisiert. "Ich wünsche mir, dass die Deutsche Bischofskonferenz Verdächtigungen und falsche Beurteilungen dieses Prozesses aus Rom geschlossen abwehrt", sagte Thierse dem RND. "Denn ich wünsche mir, dass die Katholische Kirche in Deutschland diesen Weg gehen kann - nicht um die Weltkirche zu spalten, sondern um angemessen auf das zu reagieren, was in Deutschland los ist, mit der Kirche und mit den Christen."

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