Verzweiflungstat in rheinland-pfälzischer Flüchtlingserstaufnahme

Verzweiflungstat in rheinland-pfälzischer Flüchtlingserstaufnahme
Ein Flüchtling aus der Aufnahmeeinrichtung in Hermeskeil liegt nach einem Selbstverbrennungsversuch mit schweren Verletzungen in einer Klinik. Flüchtlingshelfer sehen einen Zusammenhang zwischen der Tat und dem immer restriktiveren Asylrecht.
Deutschland spricht 2019

In der Flüchtlingserstaufnahmestelle in Hermeskeil bei Trier hat sich ein Asylbewerber aus Aserbaidschan mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet. Der 34-Jährige habe schwere Verbrennungen erlitten und sei nach der Erstversorgung durch Rettungskräfte in eine Spezialklinik transportiert worden, teilte die für die Einrichtung zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier am Donnerstag mit. Sein Gesundheitszustand bleibe kritisch.

Der Vorfall hatte sich bereits am Mittwochnachmittag ereignet. Etwas Vergleichbares sei in rheinland-pfälzischen Flüchtlingserstaufnahmestellen bislang noch nie geschehen. Die Bewohner der Einrichtung, Mitarbeiter und Helfer, die bei dem Vorfall anwesend waren, seien von der Tat des jungen Mannes tief betroffen und würden seelsorgerisch betreut, hieße es in einer Presseerklärung der ADD.

Die Behörde geht von einer Verzweiflungstat des Asylbewerbers aus, der sich ohne weitere Angehörige in der Aufnahmeeinrichtung befand. Einen SWR-Bericht, dem zufolge der Aserbaidschaner aus Frankreich in die Bundesrepublik gelangt war und wieder dorthin zurückgebracht werden sollte, konnte ein ADD-Sprecher auf Anfrage nicht bestätigen.

Rheinland-pfälzische Flüchtlingshilfe-Organisationen sehen in der Tragödie auch eine Folge des immer weiter verschärften Asylrechts. Dadurch hätten sich die Aufnahmeeinrichtungen in "Orte der Isolation und der Perspektivlosigkeit" verwandelt, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von "Arbeitskreis Asyl-Flüchtlingsrat RLP" und dem Initiativausschuss für Migrationspolitik.

In Hermeskeil befindet sich eine von vier großen Flüchtlingsaufnahmestellen des Landes Rheinland-Pfalz. Derzeit leben mehr als 650 Menschen in der Einrichtung.

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