Meinungsforscher Güllner: AfD ist keine Volkspartei

Meinungsforscher Güllner: AfD ist keine Volkspartei
Deutschland spricht 2019

Nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen hat der Meinungsforscher Manfred Güllner davor gewarnt, die Wahlerfolge der AfD überzuinterpretieren. Die AfD sei keine Volkspartei, vertrete nach wie vor nur eine Minderheit und habe im Vergleich zur Bundestagswahl in absoluten Zahlen weniger Menschen erreicht, sagte Güllner der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" (Dienstag): "Auf die Gesamtheit aller Wahlberechtigten bezogen haben 86 Prozent aller Brandenburger nicht für die AfD votiert, das wird gern übersehen."

Es gebe dreimal so viele Nicht-Wähler wie AfD-Wähler, betonte der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Forsa. "Über die redet keiner." Diese Menschen seien "im Prinzip Wähler auf Urlaub", die darauf warteten, dass "wieder ein vernünftiges Angebot von den Volksparteien" komme. SPD und CDU hätten sich teilweise von ihren Wählern entfremdet, ihnen fehle das Gespür für das, was die Menschen bewege, betonte Güllner, der selbst der SPD angehört: "Die Parteien sind zu wenig vor Ort präsent und reden zu wenig mit den Wählern."

Es gebe eine tiefe Kluft zwischen den Anhängern der AfD und den übrigen Wählern, betonte Güllner. Die Wahlen in Brandenburg und Sachsen hätten gezeigt, dass die AfD-Anhänger nach wie vor eine "weitgehend homogene, von Männern getragene und verschworene Gemeinschaft" seien, die sich benachteiligt fühlten und allen misstrauten, die anders denken und wählen.

Bei den Motiven der AfD-Wähler gebe es zwar gewissen Schnittmengen zur Linken, hinzu komme jedoch überwiegend noch das völkische Gedankengut, sagte Güllner: "Sie wollen einfach keine Flüchtlinge."

Die AfD hat am vergangenen Sonntag bei der Landtagswahl in Brandenburg 23,5 Prozent der Stimmen und 15 Direktmandate bekommen. Mit geringem Abstand auf den ersten Platz kam die SPD mit 26,2 Prozent der Stimmen und 25 Direktmandaten. In Sachsen kam die CDU mit 32,1 Prozent der Stimmen und 41 Direktmandaten auf den ersten Platz, gefolgt von der AfD mit 27,5 Prozent und 15 Direktmandaten.

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