Lebenslang für Oppositionsführer im Kamerun

Lebenslang für Oppositionsführer im Kamerun
Deutschland spricht 2019

Frankfurt a.M., Jaunde (epd). Ein Militärgericht in Kameruns Hauptstadt Jaunde hat zehn Oppositionelle zu lebenslanger Haft verurteilt, darunter der Anführer der Separatistengruppe SCNC, Sisiku Ayuk Tabe. Das Gericht sprach sie der Rebellion, des Terrorismus und separatistischer Bestrebungen schuldig, wie das Nachrichtenportal "Africa News" am Dienstag meldete. Tabe gilt als "Präsident" der vom SCNC ausgerufenen englischsprachigen "Republik Ambazonien".

Die Beschuldigten waren im Januar in Nigerias Hauptstadt Abuja festgenommen und an Kamerun ausgeliefert worden. Die Vereinten Nationen hatten die Auslieferung scharf kritisiert. Der Prozess habe im Dezember 2018 begonnen, die Verhandlungen seien aber immer wieder verschoben worden, schreibt "Africa News". Einem weiteren Oppositionsführer, Maurice Kamto, droht wegen Rebellion die Todesstrafe.

Hintergrund der Anklagen sind Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Paul Biya im Oktober 2018, die von der Opposition organisiert wurden. Kamto und weiteren führenden Mitgliedern seiner Partei MRC werden unter anderem Beleidigung des Präsidenten, Vaterlandsverrat und Aufwiegelung zur Revolten vorgeworfen.

Kamto und etwa 150 seiner Anhänger wurden Ende Januar bei einer Demonstration gegen die Regierung festgenommen. Der Oppositionsführer rief seit seiner Wahlniederlage gegen Präsident Biya im Oktober 2018 immer wieder zu Protesten auf. Kamto hatte erfolglos versucht, gegen das umstrittene Ergebnis zu klagen.

Biya regiert das Land seit 1982 zunehmend autokratisch. Die Opposition wirft ihm Wahlbetrug und Menschenrechtsverletzungen vor. Im Westen des Landes herrscht zudem seit rund zwei Jahren ein bürgerkriegsähnlicher Konflikt. Die dortige englischsprachige Minderheit wirft der Regierung vor, gegenüber der französischsprachigen Bevölkerungsmehrheit benachteiligt zu werden. Die Zahl der Toten allein im vergangenen Jahr wird auf mindestens 400 geschätzt. Die einstige deutsche Kolonie Kamerun in Zentralafrika war nach dem Ersten Weltkrieg zwischen Großbritannien und Frankreich aufgeteilt worden.