Prozess gegen Yücel erneut vertagt

Deutschland spricht 2019
Prozess gegen Yücel erneut vertagt

Der Prozess gegen den "Welt"-Journalisten Deniz Yücel ist am Dienstag erneut vertagt worden. Das Istanbuler Gericht habe Yücels im Mai in Deutschland eingereichte Verteidigungsschrift noch nicht erhalten, wie die türkische Medienrechtsorganisation MLSA auf Twitter mitteilte. Einem Antrag auf sofortigen Freispruch, den Yücels Anwalt Veysel Ok gestellt habe, sei nicht entsprochen worden.

Das Gericht will demnach abwarten, bis ihm Yücels schriftliche Aussage vorliegt. Der Prozess, der in Abwesenheit Yücels geführt wird, solle am 17. Oktober weitergehen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Journalisten Terrorpropaganda und Volksverhetzung vor.

Ok berief sich demnach auf ein vor drei Wochen veröffentlichtes Urteil des türkischen Verfassungsgerichts, in dem die Inhaftierung Yücels für rechtswidrig erklärt worden war. Die Untersuchungshaft habe seine Rechte auf persönliche Sicherheit, Freiheit und Meinungsfreiheit verletzt. Die Richter hatten darin auch zahlreiche Argumente der gegen Yücel vorgelegten Anklageschrift kritisiert.

Der frühere Türkei-Korrespondent der "Welt" saß ab Februar 2017 knapp ein Jahr lang in türkischer Untersuchungshaft, davon neun Monate in strenger Einzelhaft. Nachdem die Staatsanwaltschaft im Februar 2018 eine Anklageschrift vorlegte, wurde er freigelassen und verließ das Land.

Der Prozess gegen Yücel in Istanbul hatte vor rund einem Jahr begonnen. Im Mai hatte der Journalist vor dem Berliner Amtsgericht Tiergarten seine Aussage in dem Verfahren vorgelegt. Darin berichtete er auch von wiederholten Tritten, Schlägen und Drohungen während seiner Haft. Das Berliner Gericht hatte die Verteidigungsschrift im Rahmen eines Rechtshilfeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei entgegengenommen.

Yücel berichtet seit Anfang Juli erstmals seit seiner Inhaftierung wieder regelmäßig für die "Welt". Von Dresden aus begleitet der 45-Jährige die kommenden Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen.