Bürgervertreterin: Jugend sollte bei Endlagersuche mitreden

Bürgervertreterin: Jugend sollte bei Endlagersuche mitreden
29.06.2019
epd-Gespräch: Karen Miether
epd

Die Hamburger Juristin Jorina Suckow wünscht sich mehr Beteiligung von jungen Menschen an der Debatte über die Suche nach einem atomaren Endlager in Deutschland. Die 26-Jährige vertritt im "Nationalen Begleitgremium" die junge Generation. Das Gremium aus vom Parlament ernannten Persönlichkeiten und Bürgervertretern soll die Endlagersuche begleiten. "Wir Jüngeren haben nicht entschieden, in die Atomkraft einzusteigen, aber die Last tragen wir", sagte Suckow am Rande einer Tagung in Loccum im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

"Das Thema wird sich über Jahrzehnte hinziehen", sagte die Promotionsstudentin. Bis 2031 soll nach bisherigen Plänen ein Standort benannt werden. "Dann wird irgendwann gebaut und eingelagert. Das betrifft die, die heute jung sind", sagte Suckow. "Eine Frage ist auch, wie sichert man das Wissen um die gefährlichen Stoffe, die eingelagert werden sollen, für die Zukunft ab."

Das Begleitgremium plant Suckow zufolge mit anderen Akteuren der Endlagersuche unter anderem im Oktober einen Workshop, um mit jungen Menschen zu erörtern, wie die Öffentlichkeitbeteiligung gestaltet sein soll und in ihrer Generation noch mehr Interesse geweckt werden kann. Dass das Thema derzeit weit weniger Konjunktur hat als etwa die Jugendbewegung "Fridays for Future", erklärt sie sich mit den Einflussmöglichkeiten. Im Kampf gegen eine Klimakrise gebe es konkrete Forderungen wie etwa, Kreuzfahrten einzuschränken.

Das Problem mit dem hochradioaktiven Müll sei dagegen unumkehrbar, erläuterte sie: "Er ist da, und wir müssen damit umgehen. Wir haben keine andere Wahl, als uns als Gesellschaft damit zu befassen." Die öffentliche Aufmerksamkeit werde deutlich steigen, wenn im Sommer kommenden Jahres Regionen für die Standortauswahl benannt werden.

"Man könnte durchaus auf die Straße gehen, um noch mehr Transparenz für das Suchverfahren zu fordern", sagte sie. So dränge das Begleitgremium die Bundespolitik, endlich ein längst geplantes Geodaten-Gesetz zu verabschieden. Wenn unterirdische Gesteinsformationen durch früheren Bergbau beeinträchtigt sind oder etwa in Erdbebenzonen liegen, kommen sie für die weitere Erkundung nicht infrage. Viele dieser Daten seien von privaten Firmen erhoben und übermittelt worden, sie dürften deshalb bislang nicht veröffentlicht werden, sagte Suckow: "Die Daten müssen aber einsehbar sein, damit die Suche transparent ist."

Bei der Tagung der Evangelischen Akademie Loccum diskutieren Experten, Politiker und Vertreter von Bürgerinitiativen noch bis Sonntag über die Standortsuche.

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