"Halt fei zu mir guder Gott": Mundart-Gesangbuch für Franken

Fränggische Gsangsbuch

© epd-bild/Daniel Staffen-Quandt

Pfarrer Claus Ebeling hat zusammen mit sechs Mitstreitern den "Fränkischen Psalter" herausgegeben.

Wenn durch fränkische Kirchen zukünftig ein kräftiges "Unser Vadder im Himmel, dei Noma is uns heilich" schallt, dürfte Pfarrer Claus Ebeling etwas damit zu haben. Mit sechs Mitstreitern hat er "As fränggische Gsangsbuch" veröffentlicht.

Claus Ebeling hat eine Mission. Und sie ist immer dann erfüllt, wenn die Besucher mit leuchtenden Augen aus seinem Gottesdienst kommen. Das gelingt dem evangelischen Pfarrer von Lichtenau bei Ansbach besonders gut, wenn er redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Also fränkisch. Ebeling spricht einen hübschen, melodischen mittelfränkischen Singsang. "Wir müssen öfters mal weg vom Kirchensprech", sagt er. Seine Lösung: Dialekt. "Damit ist man nah dran an den Leuten." Mit sechs Mitstreitern hat er einen "Fränkischen Psalter" herausgegeben.

"Wir müssen öfters mal weg vom Kirchensprech"

"As fränggische Gsangsbuch" steht auf dem farbenfrohen DIN-A4-Heft, das der "Arbeitskreis Mundart in der Kirche" herausgegeben hat. Darin finden sich 23 biblische Psalmen und 44 Lieder in fränkischer Mundart. Verfasst sind die Texte in einer Art Hochfränkisch, einem gemeinsamen sprachlichen Nenner, den die meisten Franken vom Fichtelgebirge bis zum Brombachsee, von Coburg bis Nürnberg mittragen können. "Jeder Franke kann das, was wir schriftlich festgehalten haben, problemlos in seinem Sprachduktus singen und sagen", erläutert Ebeling. Also: Fast jeder jedenfalls, mit Ausnahme von so manchem Mundartler in Unterfranken.

Pfarrer Claus Ebeling.
Ebeling weiß, dass Dialekt in der Kirche ein Reizthema ist. Es gibt viele, die absolut gar nichts damit anfangen können. Denen das, was in der Kirche gesungen und gesagt wird, zu heilig ist - und sie deswegen lieber ins Hochdeutsche wechseln. Von offizieller Kirchenseite gibt es für den Arbeitskreis Mundart deshalb auch seit seiner Gründung vor mehr als 20 Jahren wenig Anerkennung und Unterstützung. Ebeling ist seit mehr als zehn Jahren dabei. Für die Kritiker hat er Verständnis: "In der Kirche geht nicht alles im Dialekt. Einen Gregorianischen Introitus in Mundart zu singen, das käme mir nicht in den Sinn. Das passt nicht."

In der wirklichen Muttersprache beten und singen

Aber für vieles andere, für die Gebete, die Lieder, ja auch die Predigt passt Dialekt sogar wunderbar, findet der stellvertretende Dekan von Windsbach. "Es berührt die Menschen mehr, wenn sie in ihrer wirklichen Muttersprache beten und singen können, wenn sie darin eine Predigt hören", sagt Ebeling. Die Kirche müsse diesen Wunsch ernstnehmen und respektieren: "Da sitzen kluge Leute in den Mundart-Gottesdiensten, die studiert haben, beruflich - auf Hochdeutsch! - erfolgreich sind, und die nach der Kirche total ergriffen sind und Sätze sagen wie: 'Endlich hab' ich mal alles verstanden!' Das darf man nicht einfach so abbügeln."

Viel Arbeit haben er und seine sechs Mitstreiter in das Büchlein gesteckt. "Es sollte etwas Schönes sein, etwas, das man gerne in die Hand nimmt und durchblättert", erklärt der Pfarrer aus Lichtenau. Anstatt weißer Blätter ist es ein Vollfarbdruck geworden. Jede Doppelseite ist mit einem anderen kunstvollen Rahmen aus einer mittelalterlichen Psalter-Handschrift verziert, das Gros hat sich Ebeling aus dem lizenzfreien Bestand der British Library geholt. Die Rückseite jedoch schmückt ein Organist aus den Nürnberger Hausbüchern.



Das Ziel der Macher: eine liturgische Handreichung für Gottesdienste in Mundart und für das häusliche Studium. Oder aber: Um einen ansonsten hochdeutschen Gottesdienst mit einem fränkischen "Vadderunser", einer Dialekt-Fassung bekannter Weihnachtslieder wie "Vom Himmel droom, do kumm i her" oder auch einem eingefränkischten Neuen Geistlichen Lied wie "Halt fei zu mir guder Gott" zu bereichen. Was für Außenstehende und vor allem für Nicht-Franken zunächst durchaus absurd oder albern klingen mag - für Claus Ebeling und andere Mundart-Verfechter ist es das nicht.

Vom "Fränkischen Psalter" haben Ebeling und sein Team 4.000 Stück drucken lassen, die ersten Dekanate und Chöre haben schon ganze Sätze bei ihm bestellt. Einen Zuschuss für den Druck gab es zwar nicht von der Landeskirche - dafür allerdings von der Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski. "Obwohl sie schon auch skeptisch ist, was Dialekt im Gottesdienst angeht", sagt Ebeling. Mit dem Psalter hofft er, Kritiker zu überzeugen, dass Dialekt und Kirche doch ganz gut zusammenpassen.

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