Film des Monats der Jury der Evangelischen Filmarbeit: "In den Gängen"

Filmstart in Deutschland: 24. Mai 2018
Marion hält ein Stück Kuchen mit einer Kerze drauf in der Hand und lächelt Christian an.

Foto: Zorro

In "In den Gängen" kommen sich die Figuren Marion und Christian langsam näher.

Als Film des Monats Mai 2018 zeichnet die Jury der Evangelischen Filmarbeit "In den Gängen" von Thomas Stuber aus. Der Film erzählt von einem ehemaligen Gefängnisinsassen, der in einem Großmarkt neu anfängt und dabei eine eigene Welt entdeckt. Der Film kommt am 24. Mai in die Kinos.

Der wortkarge, aber umgängliche Christian (Franz Rogowski) nimmt eine neue Arbeit auf: in einem Groß-Großmarkt wird er in der Getränkeabteilung eingeteilt. Bruno (Peter Kurth), den die anderen "Häuptling" nennen, nimmt sich seiner an, wie ein väterlicher Freund. Christian lernt die Mechanik des Gabelstaplers kennen, und Bruno zeigt ihm geduldig, wie man vom obersten Regal Getränkekästen aufnimmt und schadlos transportiert und wie man die Regale befüllt. Der Großmarkt und seine Angestellten, das ist der Kosmos, der nun Christians Lebenswelt ausmacht. In den Gängen des Großmarkts trifft er auf Marion (Sandra Hüller), die für die Süßwarenabteilung zuständig ist. "Frischling" nennt sie ihn, und lässt sich gern von
Christian zu einem Kaffee aus dem Automaten einladen. Zwischen beiden entwickeln sich zarte Bande. Er solle gut mit ihr umgehen, rät Bruno, denn Marion leidet unter ihrem Ehemann. Wenn Christian abends Feierabend hat und auf den Bus wartet, der ihn nach Hause bringt, ist es bereits dunkel. An Weihnachten wartet er darauf, dass die Feiertage vorbeigehen, damit er wieder in seinen Arbeitsalltag kann. Als Marion für längere Zeit krankgeschrieben wird und nicht mehr zur Arbeit kommt, droht dies den genügsamen Christian aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Begründung der Jury zur Wahl des "Film des Monats": Mit "In den Gängen" ist das Soziale auf höchst zeitgemäße Weise ins deutsche Kino zurückgekehrt. Der Film von Thomas Stuber, der auf einer Kurzgeschichte aus dem Band "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer beruht, schildert die Lebenswirklichkeit von Menschen, die selten öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Mit sorgfältigen und feinen Federstrichen, die ebenso
poetisch wirken wie sie nüchtern sind, zeigt der Film die sozialen Beziehungen zwischen Menschen in ihrer Arbeitswelt und macht dabei auch die Auswirkungen der Transformation in Ostdeutschland sichtbar. Ein lakonischer Film, der seine Protagonisten und deren routinemäßigen Arbeitsalltag so aufmerksam und bei aller Ernsthaftigkeit mit einem Funken Humor schildert, dass man inspiriert wird, genauer hinzuschauen.