TV-Tipp: "Das Duo: Der tote Mann und das Meer"

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TV-Tipp: "Das Duo: Der tote Mann und das Meer"
19.4., ZDF Neo, 20.15 Uhr: "Das Duo: Der tote Mann und das Meer"
Viele Jahre lang haben die 2012 verstorbene Birgit Grosz und ihr Lebensgefährte Jürgen Pomorin (alias Leo P. Ard) gemeinsam Drehbücher geschrieben. Ganz gleich, ob für "Tatort", "Ein starkes Team" oder "Das Duo": Gemessen am Niveau der jeweiligen Reihe waren ihre Geschichten immer überdurchschnittlich gut. Selbst wenn das Autorenteam wie in diesem Fall die beiden Hauptfiguren nicht weiterentwickelt: Die Handlung ihrer Filme ist stets originell und in der Regel nicht vorhersehbar. Vor allem aber leben die Geschichten von den vielen kleinen Erzählungen am Rande, die gern nebenbei eingestreut werden, um dann doch unvermutet zur Klärung der Kriminalfälle beizutragen.

Reizvoll ist dieser Samstagskrimi aber schon allein deshalb, weil die beiden Ermittlerinnen aufs Land müssen. Provinzkrimis sind äußerst beliebt, weil man die Filme mit skurrilen Figuren bevölkern kann und die Handlungsorte so schön übersichtlich sind: Jeder kennt jeden. Deshalb legt Dorfpolizist Sander (Matthias Koeberlin) für seine Mitbürger die Hand ins Feuer, als ein Urlaubsgast erschlagen am Strand gefunden wird. Rasch stoßen die Damen aus Lübeck (Lisa Martinek, Charlotte Schwab) auf gleich zwei Eifersuchtsmotive: Der Ermordete, ein Chemiedoktorand aus Hamburg, hatte mal was mit Inken Feddersen (Janna Striebeck), in deren Ferienhaus er nun wohnte; und ihr einsilbiger Mann Arne (Roeland Wiesnekker), ein Fischer, macht durchaus den Eindruck, als könne er unangenehm werden, wenn ihm was nicht passt.

Ein ganz ähnliches, aber weitaus handfesteres Motiv hat ausgerechnet Sander, denn seine Frau (Laura Tonke) hat sich auf ein Techtelmechtel mit dem Urlauber eingelassen. Die Wahrheit jedoch liegt ganz woanders, und selbstredend trägt der scheinbar demente Strandgutsammler Jan (Peter Franke), Inkens Vater, ebenso zu ihrer Findung bei wie die Parallelerzählung vom Kollegen der Kommissarinnen: Er liegt mit einer schweren Infektion im Krankenhaus, die Ärzte sind völlig ratlos.


Altmeister Peter Keglevic findet genau den richtigen Tonfall für den lakonischen Humor und die beiläufige Erzählweise des Drehbuchs. Den Nebendarstellern genügen wenige Szenen, um Akzente zu setzen und ihre Figuren zu charakterisieren. Viele Ideen sind einfach großartig. Der verwirrte Jan zum Beispiel sucht am Strand nach seinen beiden Enkeln, die vor Jahren von einer Welle mitgerissen worden sind. Hübsch sind auch die Titel der Seminare, die Sanders Kollege mehrfach zu Fortbildungszwecken besucht. Ausgerechnet die beiden Hauptfiguren kommen dagegen nicht so gut weg. Clara Hertz (Martinek) wird praktisch nur über ihren neugeborenen Sohn definiert, und wenn die beiden Darstellerinnen moralische Empörung markieren müssen, wirken sie etwas unglaubwürdig.