EKD-Institutsleiter gegen bedingungsloses Grundeinkommen

Gerhard Wegner

Foto: epd-bild/Christina Özlem Geisler

Der Theologe und Sozialwissenschaftler Gerhard Wegner

Der Theologe und Sozialwissenschaftler Gerhard Wegner lehnt ein bedingungsloses Grundeinkommen aus grundsätzlichen Erwägungen ab.

In der aktuellen Ausgabe der evangelischen Wochenzeitschrift "Die Kirche" (Ausgabe vom 11. März) nennt es der Pastor und Leiter des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) naiv, an die Lösung aller Probleme durch ein solches Instrument zu glauben. Nach seiner Überzeugung wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen vielmehr verantwortungslos.

"Tatsächlich wäre es für viele Menschen eine Herdprämie: etwas Geld, um sich mit ihrer ohnehin schwierigen Situation endgültig abzufinden", schreibt Wegner. Hinter einem bedingungslosen Grundeinkommen stünde ein völlig anderes Sozialsystem als der bisherige Sozialstaat, argumentierte der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Institutes der EKD.

Die bisher vorhandene Verpflichtung des Staates, sich um soziale Notlagen aktiv zu kümmern und für soziale Sicherheit gezielt zu sorgen, würde entfallen. Stattdessen wäre für sozialstaatliche Leistungen wie Arbeitsagenturen, Sozialämter, Jugendämter, Rentenversicherungen und so weiter kein finanzieller Spielraum mehr vorhanden.

Oft sei in Notlagen das Geld aber gar nicht das Hauptproblem: "Meint jemand wirklich, einem Obdachlosen wäre geholfen, wenn man ihm 1.000 Euro gäbe - ihn aber sonst allein lässt", fragte Wegner. Das gesellschaftliche Vermögen dürfe nicht pauschal verteilt werden. Vielmehr müsse es um Umverteilung gehen - von den Wohlhabenden zu denen, die Unterstützung brauchen. "Und vor allem muss das Geld institutionell eingesetzt werden: in bessere Bildungseinrichtungen, Kindergärten, in sozial inklusive Stadtteile, in eine freundlich-aktivierende Betreuung von Arbeitslosen und deren wirkliche Unterstützung und in armutsfeste Renten", fügte Wegner hinzu.