EKD-Beauftragter fordert klare Position gegen türkische Offensive

Grenzprovinz Kilis

Foto: Can Erok/DHA/AP/dpa

Rauch steigt in Afrin (Syrien) nahe der türkischen Grenzprovinz Kilis während der Militäroffensive der Türkei gegen die Kurden in Nordwestsyrien hoch.

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, hat die Bundesregierung aufgefordert, deutlich gegen die türkische Militäroffensive im Norden Syriens Position zu beziehen.

"Je länger die Bundesregierung schweigt zu dem militärischen Vorgehen ihres Nato-Bündnispartners Türkei, umso mehr entsteht der Eindruck einer deutschen Billigung dieses Militäreinsatzes", mahnte Brahms am Sonntag auf der Jahrestagung der EKD-Konferenz für Friedensarbeit in der Evangelischen Akademie in Loccum. Deutschland müsse sich in den Nato-Gremien zudem dafür einsetzen, dass das Nato-Mitglied Türkei diesen "völkerrechtswidrigen Einmarsch" sofort beende. "Die Stadt Afrin war bisher von diesem Krieg verschont worden, hier fanden viele Menschen Schutz, nicht nur Kurden", betonte Brahms, der auch theologischer Repräsentant der Bremischen Evangelischen Kirche ist. "Hier darf die Völkergemeinschaft nicht schweigen."

Die türkische Militäraktion berge zudem die Gefahr einer weiteren Eskalation nicht nur des syrischen Bürgerkrieges, sondern auch in der ganzen Region, warnte der Theologe. "Hier kann es dazu kommen, dass amerikanische Soldaten, die bisher die Kurdenmiliz in Syrien unterstützt haben, türkischen Soldaten gegenüberstehen, die gegen diese Kurdenmiliz Krieg führen."

Es sei richtig gewesen, die geplante weitere Aufrüstung deutscher Panzer in der türkischen Armee angesichts dieser Militäraktion auszusetzen, unterstrich der Friedensbeauftragte. Zugleich sei aber deutlich geworden, wie gefährlich es sei, deutsche Waffen ohne vertragliche Einschränkungen auch an Verbündete zu liefern. "Diese Entwicklung zeigt die ganze Problematik von Rüstungsexporten", kritisierte Brahms.