Reformationstag sei kein Luthertag

Martin Luther Denkmal  in Errfurt

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Der Reformationstag wäre nach Ansicht des Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann trotz der judenfeindlichen Einstellung Martin Luthers ein guter Feiertag.

Der Reformationstag wäre nach Ansicht des Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann trotz der judenfeindlichen Einstellung Martin Luthers ein guter Feiertag. "Als ein tief im öffentlichen Bewusstsein verwurzeltes Datum bietet der Tag Chancen zu einem Gedenken des Umgangs mit religiösen Sachverhalten, zur Reflexion zwischen Religion und Gesellschaft", sagte Kaufmann der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Montag). Ein solches "öffentliche Innehalten" könne der Gesellschaft nicht schaden.

Bei einem Feiertag gehe es heutzutage ohnehin nicht mehr darum, unreflektiert irgendetwas zu bejubeln, betonte der evangelische Theologe, der an der Universität Göttingen lehrt. Es sei auch beim 500. Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr immer wieder deutlich gemacht worden, dass der Reformationstag kein Luthertag sei.

Der Reformationstag erinnert an die Veröffentlichung der 95 Thesen gegen kirchliche Missstände durch Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517. Der legendäre Thesenanschlag löste eine Reformbewegung in ganz Europa aus und führte in schließlich zur Trennung in eine katholische und eine evangelische Kirche. Am 31. Oktober 2017 war der Reformationstag wegen des 500. Reformationsjubiläums bundesweit als einmaliger gesetzlicher Feiertag begangen worden.

Luther für Rassenpolitik instrumentalisiert

Luthers Haltung zum Judentum sei ambivalent gewesen, sagte Kaufmann. In jungen Jahren habe er zur "Duldung des Judentums und zu friedlicher Koexistenz" aufgerufen. Erst später sei er umgeschwenkt, "da ist auch nichts zu beschönigen". Die Nationalsozialisten hätten den Reformator für ihre Rassenpolitik instrumentalisiert. "Was in der Zeit des Dritten Reiches an Unrecht an Juden verübt worden ist, war außerhalb der Vorstellungskraft Martin Luthers."

Das Verdienst Luthers sei es, dass er die Möglichkeit für etwas Neues und Gutes geschaffen habe, "was weit über seine eigene Vorstellung hinausging: unsere religionsplurale und offene Gesellschaft", erläuterte der Theologe. Zuvor habe er "mit seinen Schriften, seiner Publizistik eine 1.000 Jahre alte, verkrustete Institution sturmreif geschossen - dieses destruktive Element haftet der Reformation an, weshalb ich die Trauer mancher Katholiken verstehen kann".