Kardinal Woelki: "Flüchtlinge ertrinken in unserer Gleichgültigkeit"

Der Kölner Erzbischof Rainer Woelki hat eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal von Flüchtlingen beklagt. Bis jetzt seien wieder weit über 1.000 Flüchtlinge im Mittelmeer qualvoll ertrunken, sagte der Kardinal am Sonntagmorgen im "Wort des Bischofs" im Bistumssender domradio.de.

Selbst wenn Zehntausende durch staatliche und private Initiativen hätten gerettet werden können, fühle er sich hilflos. "Jeder einzelne tote Flüchtling ertrinkt auch in unserer Gleichgültigkeit!", sagte Woelki.



Die Zahl der Flüchtlinge sei zwar zurückgegangen, "aber doch nur deshalb, weil Notleidende auf europäischem Boden unerwünscht sind", kritisierte der Kardinal. Die Schutz und Hilfe suchenden Menschen würden jetzt etwa in die "Horrorlager nach Libyen" geschafft. In dem Land würden Flüchtlinge erneut verraten, verfolgt, verprügelt und vergewaltigt. "Aber wir haben so eine saubere Weste und weniger Flüchtlinge. Ich finde, das ist zynisch."

Scharf kritisierte der Kölner Erzbischof, dass privaten Hilfsaktionen vorgeworfen wird, sie würden die Rettung behindern oder hätten gar Schlepper begünstigt. Die vielen ehrenamtlichen Helfer seien mit ihren Rettungsschiffen doch erst aufgebrochen, als so viele Menschen im Meer ertranken. "Sie haben mit ihren engagierten Hilfsarbeiten begonnen, weil unsere staatliche und europäische Hilfe halbherzig war und oft viel zu spät kam", sagte Woelki. Er rief dazu auf, notleidenden Flüchtlingen zu helfen: "Ganz egal wie und wo - und nicht nur im Mittelmeer."