Leitkultur-Debatte: Altbischof Huber fordert mehr Selbstkritik

Leitkultur-Debatte: Altbischof Huber fordert mehr Selbstkritik
Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hat Kirche und Gesellschaft zu einer stärkeren Reflexion über grundlegende Werte aufgefordert.

"Nach meinem Eindruck fehlt es unserer Gesellschaft an Zutrauen zu dem, was ihr selber wichtig ist", sagte der Altbischof am Mittwoch bei der Jahrestagung des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU in Berlin. Nur wer wisse, was ihm wichtig sei, entwickele ein Sensorium dafür, was anderen wichtig sei, erklärte der Theologe.

Er forderte auch die evangelische Kirche zu stärkerer Selbstvergewisserung und Selbstkritik auf. Manchmal beklage er, "dass meine eigene Kirche dieser Gesellschaft nicht mehr dabei hilft, wertzuschätzen, was ihr selber wichtig ist", sagte Huber. Er unterstrich die Bedeutung von Kritik und Selbstkritik für moderne Gesellschaften. Er könne mit dem Begriff "Leitkultur" leben, wenn dieser Begriff Bestandteil davon sei, sagte er mit Blick auf die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) angestoßene Debatte.

Zugleich würdigte Huber, dass das diesjährige 500. Reformationsjubiläum erstmals auch als ökumenisches "Reformationsgedenken" gemeinsam mit den Katholiken geiert werde. Huber warnte aber auch vor einer Verwässerung der Unterschiede zwischen den Konfessionen. "Den Verlust an Einheit als Skandal zu brandmarken, reicht nicht", sagte er. Man müsse sich bemühen, Zusammengehörigkeit so zu gestalten, "dass dabei die Kraft von Verschiedenheit nicht verloren geht", sagte Huber.

Der Evangelische Arbeitskreis der Unionsparteien richtete seine diesjährige Bundestagung anlässlich der Eröffnung des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg am Mittwoch in Berlin aus. Zu einem Empfang am Abend wurden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erwartet.

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