"Es muss nicht alles einheitlich sein"

Simultankirche St. Michaelis in Hildesheim

Foto: epd-bild/Jens Schulze

"Es muss nicht alles einheitlich sein"
Drei Fragen an den theologischen EKD-Vizepräsidenten Thies Gundlach zur Ökumene
Die evangelische und die katholische Kirche feiern am 11. März in der Hildesheimer St. Michaeliskirche einen Buß- und Versöhnungsgottesdienst mit dem Thema "Erinnerung heilen" ("Healing of Memories"). Er gehört zu den herausragenden Veranstaltungen im Festjahr 500 Jahre Reformation. Als Gäste erwartet werden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck und Vertreter des Vatikan. Der theologische Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thies Gundlach, hat die Feier mit vorbereitet.

Herr Gundlach, "Erinnerung heilen" - was bedeutet das genau?

Thies Gundlach: Damals im 16. Jahrhundert sind mit der Reformation und Gegenreformation schwere Zerwürfnisse entstanden, die noch heute unser Bild voneinander prägen. Für Protestanten sind die katholischen Geschwister oft diejenigen, die ein bisschen enger und konservativer sind, während umgekehrt die Protestanten für die Katholiken viel zu staatsnah sind und immer so tun, als seien sie die Modernen. Sich über diese falschen Bilder und Vorurteile gegenseitig klarzuwerden und um Vergebung zu bitten vor Gott und vor dem jeweils anderen - das ist der Grundgedanke von "Healing of Memories".

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Thies Gundlach

Dr. Thies Gundlach (geboren 1956) ist einer der drei theologischen Vizepräsidenten des Kirchenamtes der EKD. Er leitet die Hauptabteilung "Kirchliche Handlungsfelder und Bildung" und darin das Referat "Theologische Grundsatzfragen".

Welchen Impuls erhoffen Sie sich davon?

Gundlach: Wenn es uns gelingt, in Zukunft nicht mehr die Vorurteile übereinander sprechen zu lassen, die immer noch irgendwie in unseren Köpfen und Herzen ihr Unwesen treiben, sondern den anderen als einen Reichtum, als eine Gabe in der Vielfalt von Gottes Barmherzigkeit zu sehen, dann wäre schon viel gewonnen. Es bleiben die theologischen Unterschiede etwa im Verständnis von Amt und Abendmahl; das soll auch gar nicht übersprungen werden. Aber ich glaube, das Heilen der Erinnerungen ist eine ganz wesentliche Voraussetzung dafür, dass man ökumenisch den nächsten Schritt gemeinsam machen und mit großer Gelassenheit die bleibenden Unterschiede würdigen kann. Es muss nicht alles einheitlich sein.

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Wird 2017 als das ökumenische Reformationsjubiläum in die Geschichte eingehen?

Gundlach: Ja, das hat es in der Form noch nicht gegeben, dass wir das Reformationsjubiläum so gemeinsam feiern können bei Achtung der Unterschiede. Früher war das ja auch ein riesiges Abgrenzungsfest, bei dem der Protestantismus gesagt hat: Wir sind nicht katholisch. Und das war ein großer Teil der Botschaft. Das machen wir heute nicht mehr so, sondern wir sagen: Evangelisch aus gutem Grund sind wir, weil wir die Freiheit eines Christenmenschen stark machen wollen in und für die Gegenwart. Wir sind gern evangelisch, und das feiern wir auch ordentlich, ohne aber zu sagen: Wir sind besser als die Katholiken. Das ist das Neue - und eine riesige Chance für die Wahrnehmung gemeinsamer Verantwortung in unserer Welt.

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