Evangelikaler Bürgermeister meidet Karneval in Rio

Evangelikaler Bürgermeister meidet Karneval in Rio
Der Karneval in Rio de Janeiro ist mit Verspätung und Gerüchten über einen Boykott seitens des neuen Bürgermeisters Marcelo Crivella gestartet. Crivella, seit Jahresbeginn Stadtoberhaupt und freigestellter Bischof der evangelikalen Universalkirche, erschien am Freitagabend (Ortszeit) nicht zur offiziellen Eröffnung der närrischen Tage.

Er begründete das Fernbleiben mit einer Erkrankung seiner Frau, wie die Zeitung "O Globo" in ihrer Onlineausgabe berichtete. Die Kulturbeauftragte Nelcimar Nogueira übergab schließlich mit über zwei Stunden Verspätung die Stadtschlüssel an König Mono. Zehntausende Besucher im Sambadrom und viele Künstler berühmter Sambaschulen warteten vergebens auf den Bürgermeister, der sonst jedes Jahr bei der Eröffnung des Karnevals dabei ist. Schon in den Tagen zuvor gab es Gerüchte, dass Crivella verreisen werde, um sich nicht beim närrischen Treiben zeigen zu müssen.

Als einflussreiches Mitglied einer Neopfingstkirche ist der im Oktober vergangenen Jahres zum Bürgermeister von Rio de Janeiro gewählte erzkonservative Bürgermeister kein Freund der ausgelassenen Feiertage. Schon in vergangenen Jahren rief seine Universalkirche des Reichs Gottes ihre Gläubigen auf, dem Karneval fernzubleiben.

Bereits seit dem vergangenen Wochenende tanzen Hunderttausende Narren bei farbenfrohen Umzügen zu Sambamusik durch die Straßen der Stadt. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der Wettbewerb der erfolgreichsten Sambaschulen, die am Sonntag und Montag durch das Sambadrom defilieren werden. Weit über eine Million Touristen sind zu dem Spektakel in die Stadt am Zuckerhut gereist. Sorge bereitet die Sicherheitslage. In den vergangenen Wochen drohte ein Polizeistreik, da die Stadt aufgrund finanzieller Engpässe die Löhne der Beamten nicht rechtzeitig zahlen konnte.

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