Gott, Europa und die Welt

EKD-Synode in Magdeburg

Foto: epd/Norbert Neetz

Der Sitzungssaal der EKD-Synode in Magdeburg.

Gott, Europa und die Welt
Abschluss-Analyse zur EKD-Synode in Magdeburg
Drei zentrale Ergebnisse stehen am Schluss der Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Magdeburg: eine klare Absage an die Judenmission, der Wille, kirchliche Werte in die Diskussion über Europa einzubringen, und die Erkenntnis, dass auch Christen vorurteilsbeladene Ansichten haben und diese mit ihrem Glauben begründen können.
Deutschland spricht 2019

Synodenpräses Irmgard Schwaetzer äußerte sich zuversichtlich, dass die Erklärung zur Judenmission in Landeskirchen und Gemeinden Wirkung haben wird. Die einstimmig verabschiedete Kundgebung sende eine klare Botschaft. Worüber sich der Rat der EKD noch im Jahr 2000 nicht einigen konnte, haben die 120 Mitglieder des Kirchenparlaments nun - klar theologisch begründet und nach langer intensiver Diskussion - festgelegt: "Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels."

"Klare Kante" auch innerhalb der Kirche?

Damit waren die Synodalen in ihren theologischen Aussagen klarer als in den gesellschaftlich-politischen. Die sechs Seiten der ebenfalls zum Abschluss der Tagung am Mittwoch beschlossenen Kundgebung "Europa in Solidarität - Evangelische Impulse" lassen einen roten Faden vermissen. "Wir beziehen klar Position gegen populistische Angstmache und rechte Hetze", heißt es. Zugleich wollen die Kirchenvertreter mit Europakritikern und verängstigten Menschen sprechen. Sie "überlassen den Rechten und Populisten nicht die Köpfe und Herzen derer, die aus Verunsicherung nach einfachen Antworten suchen". Unter dem Eindruck des Wahlsiegs von Donald Trump bei der Präsidentenwahl in den USA stehend, fügten sie kurzfristig ein, "dass diese Herausforderungen auch außerhalb Europas sehr große Bedeutung haben".

Werte wie Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, auf die die Europäische Union gründe, beruhten "auch in der christlichen Tradition", hielten die Synodalen einstimmig fest.

Seit Monaten wird der oberste Repräsentant der EKD, Ratvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm, nicht müde, auf die christliche Verantwortung für die Aufnahme von Flüchtlingen hinzuweisen - so wie die Synodalen in ihrer Erklärung auch. Und zum Beginn der Synodentagung hatte er verlangt, "klare Kante" zu zeigen gegen "völkisches Gedankengut und rechtsextremistische Kampfrhetorik".

An diesem Punkt aber haben die Protestanten auch unter sich Klärungsbedarf: innerhalb der 20 Landeskirchen und zwischen den Kirchen in Europa. Wie eine von der Synode initiierte Studie "Kirchenmitgliedschaft und politische Kultur" zeigt, kann der christliche Glaube auch zu vorurteilsbehafteten Positionen führen - ebenso wie zu liberalen. Dabei spielt neben der persönlichen Glaubensvorstellung auch eine große Rolle, ob in Gemeinden offen über unterschiedliche Positionen diskutiert wird oder nicht.

Die Kirchen und die Flüchtlinge

Doch mit der Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Strömungen in den eigenen Gemeinden taten sich die Synodalen in Magdeburg schwer - obwohl sie schon seit 2012 immer wieder Informationen dazu angefordert hatten. Über Probleme, Möglichkeiten und Strategien, wie Gemeinden oder einzelne Christen in der Arbeit gegen rechtspopulistische Ansichten unterstützt werden könnten, redeten die Kirchenparlamentarier nicht.

Auch zwischen den Kirchen in Europa gibt es zum 500. Reformationsjubiläum keine einheitliche Meinung. In einigen osteuropäischen Ländern wollen Geistliche nicht den Politikern widersprechen, die allerhöchstens christliche Flüchtlinge, auf keinen Fall muslimische, aufnehmen wollen. Doch zur Podiumsdiskussion zu Europa saßen sich mit Frère Alois, Prior der ökumenischen Bruderschaft von Taizé, und Antje Jackelén, Erzbischöfin der Kirche von Schweden, zwei Kirchenvertreter gegenüber, die für die Aufnahme von Schutzsuchenden und für den Dialog plädierten - wenn auch die schwedische Erzbischöfin dafür in ihrer eigenen Kirche angefeindet wird.