Medienbischof Jung: Medien sollen den Menschen dienen

Medienbischof Jung: Medien sollen den Menschen dienen
Der evangelische Medienbischof Volker Jung warnt vor der Gefahr, dass der Digitalisierung gleichsam göttliche Kraft zugeschrieben werde.

Die neuen Medien sollten nicht den neuen Menschen schaffen, sie hätten dem Zusammenleben der Menschen zu dienen, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident am Mittwoch beim Evangelischen Medienkongress in Hamburg. Die politischen Strukturen könnten mit den medial ausgelösten Veränderungen nicht mithalten, sagte Jung. "Was nützt es uns, wenn wir die seltsamsten Krankheiten kurieren können, aber es nicht hinkriegen den Krieg in Syrien zu beenden?", fragte er. Fortschritt sei nicht immer nur gut, er bringe beispielsweise auch Verteilungskämpfe mit sich.

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen forderte ein neues Schulfach "digitale Ökologie", in dem Schüler zugleich Informatik, Philosophie, Ethik und eine kritische Medienanalyse lernen sollten. Durch die Digitalisierung seien die klassischen Medien, die früher eine Schleusenwärterfunktion für Information gehabt hätten, schwächer geworden. An ihre Stelle träten nun allgegenwärtige, blitzschnell zugängliche Netzwerke, in denen Privates und Öffentliches verschmelze. Jeder, der sich dort äußere, müsse das mögliche Großpublikum immer mitdenken. Heutzutage müsse sich jeder, der etwas auf Facebook stelle, fragen, was eine relevante, veröffentlichungsreife Information sei. Seine Hoffnung sei, dass aus der digitalen Gesellschaft allmählich eine redaktionelle Gesellschaft werde, sagte Pörksen.



Der "Spiegel"-Korrespondent Thomas Schulz schilderte, dass im Silicon Valley, wo die neuen Technologien entstünden, die ökonomische Sichtweise auf die Entwicklungen vorherrsche. In den meisten Unternehmen dort herrsche große Fortschrittsgläubigkeit, viele Entwickler seien überzeugt, dass sie die Welt verändern werden. Die negativen Folgen der Entwicklungen würden eher ausgeblendet, sagte Schulz.

Der Evangelische Medienkongress, der von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgerichtet wird, beschäftigt sich am Mittwoch und Donnerstag mit dem Thema "Schein und Sein 4.0 - Mediale Strategien und Werte". An dem Kongress nehmen mehr als 300 Journalisten, Pfarrer, Fachleute und andere Interessierte teil.

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