Konferenz in Osnabrück soll Flüchtlingsforschung voranbringen

Konferenz in Osnabrück soll Flüchtlingsforschung voranbringen
Wissenschaftler wollen die Forschung zu Flucht und Flüchtlingen in Deutschland intensivieren.

"Bis heute gibt es weder ein Institut noch eine Professur zur Flüchtlingsforschung", kritisierte der Direktor des Osnabrücker Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, Andreas Pott, am Donnerstag in Osnabrück zum Auftakt der nach eigenen Angaben bundesweit ersten Konferenz zur Flüchtlingsforschung. Das müsse sich dringend ändern.

Rund 300 Wissenschaftler aus ganz Deutschland beraten bis Samstag in Osnabrück. Bei der Veranstaltung unter dem Titel "65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention" tauschen sich die Migrations- und Konfliktforscher, Politologen, Historiker, Pädagogen und Soziologen über die neuesten Ergebnisse der Forschung aus.

Grundlagenforschung ist notwendig

Eine von tagespolitischen Konjunkturen unabhängige Grundlagenforschung sei notwendig, um Perspektiven für eine Flüchtlingspolitik zu entwickeln und konkrete Empfehlungen geben zu können, sagte Pott dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Noch wissen wir viel zu wenig." Im englischsprachigen Raum, etwa in Großbritannien, den USA, Australien oder Kanada, würden Asyl und Flucht bereits seit 30 Jahren systematisch erforscht.

Die Genfer Flüchtlingskonvention, die den Schutz und die Rechte von Flüchtlingen weltweit regelt, wurde 1951 verabschiedet. Mit der Überwachung der Umsetzung ist der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) beauftragt.

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Der deutsche Rechtsexperte der UN-Flüchtlingshilfe, Roland Bank, sieht die Flüchtlingskonvention 65 Jahre nach ihrem Inkrafttreten vor grundlegenden Herausforderungen. Die entscheidende Frage sei derzeit, inwieweit Europa bereit sei, Flüchtlinge aufzunehmen, sagte Bank dem epd.

Die Flüchtlingszahlen seien in den vergangenen beiden Jahren noch einmal dramatisch gestiegen. Derzeit suchten mehr als 65 Millionen Menschen Asyl, flüchteten ins Ausland oder seien in ihrem Heimatland auf der Flucht. "Das sind immer wieder neue Rekordzahlen. Um dem begegnen zu können, braucht man ein gut funktionierendes und verlässliches globales System von Verantwortungsteilung." Wenn Europa ein System schaffe, das die Lasten gleichmäßiger verteilt, könnte es insgesamt deutlich mehr Flüchtlinge als bisher aufnehmen, sagte Bank.

Die Konferenz wurde von dem vor drei Jahren gegründeten "Netzwerk Flüchtlingsforschung" für deutsche und internationale Wissenschaftler organisiert. Gastgeber ist das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück.