Frauenwerk feiert zehn Jahre "Bibel in gerechter Sprache"

Gefaltete Hände über einer aufgeschlagenen Bibel.

Foto: pixabay/Unsplash

Frauenwerk feiert zehn Jahre "Bibel in gerechter Sprache"
Im Oktober 2006 feierte die Bibel-Übersetzung Premiere auf der Frankfurter Buchmesse. Kritiker stellten das Projekt unter Feminismus-Verdacht. Ausdrücke wie "Herr" wurden in der Übersetzung durch Begriffe wie "die Heilige" ersetzt.

Mit einem Festakt im Lübecker Dom hat das Frauenwerk der evangelischen Nordkirche am Samstag das zehnte Jubiläum der "Bibel in gerechter Sprache" gefeiert. In ihrem Festvortrag nannte die Dortmunder Theologin Kerstin Schiffner die Bibelübersetzung "ein reformatorisches Projekt".

Fünf Jahre lang hatten 42 Theologinnen und zehn Theologen die Bibel auf 2.400 Seiten neu übersetzt. Im Oktober 2006 wurde das Werk auf der Frankfurter Buchmesse erstmals vorgestellt. Gleich nach der Veröffentlichung stieß die "Bibel in gerechter Sprache" auf ein gewaltiges Echo. Das lag vor allem an ihren Kritikern, die neben einzelnen Formulierungen das gesamte Projekt unter Feminismus-Verdacht stellten.

Zu den Förderern der Übersetzung gehörte die damalige Lübecker Alt-Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, zu den schärfsten Kritikern ihr Amtsvorgänger Alt-Bischof Ulrich Wilckens. Die Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) distanzierte sich im März 2007 von der "Bibel in gerechter Sprache": Maßgeblich für Gottesdienste bleibe die Luther-Übersetzung.

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"Es gibt keine Übersetzung, die ein für alle Mal richtig ist", sagte nun Theologin Schiffner, die damals aktiv an dem Projekt mitgearbeitet hatte. "Auch die Luther-Bibel ist vorläufig." Bibelübersetzungen hätten "immer mit Vielfalt" zu tun. Es gelte, permanent und immer wieder ganz genau in den Urtext zu schauen und zu erforschen, welche Bedeutung welches Wort habe.

Heute würden auch Menschen, die mit Luthertexten völlig unvertraut seien, die "Bibel in gerechter Sprache" plötzlich interessant finden, sagte Schiffner weiter. Sie schaffe "neue Perspektiven", etwa auch mit Blick auf die jüdisch-christliche Tradition. Und natürlich erscheine auch die Rolle der Frauen in einem neuen Licht, wenn zum Beispiel der Ausdruck "Herr" ersetzt wurde durch Begriffe wie "die Heilige" oder "der Ewige".

Nach dem Festakt wurde die Wanderausstellung "Frauen schreiben Reformationsgeschichte" eröffnet. Die Schau zeigt reformatorisches Wirken von Frauen in der Nordkirche in den vergangenen 500 Jahren und ist im Dom zu Lübeck vom 9. Juli bis 19. August täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.