Behinderte Kinder litten unter Gewalt in katholischen Heimen

Behinderte Kinder litten unter Gewalt in katholischen Heimen
Gewalt und sexuelle Übergriffe haben das Leben von Kindern und Jugendlichen in katholischen Behinderten-Einrichtungen in der frühen Bundesrepublik einer Studie zufolge geprägt.

Der Caritasverband veröffentlichte am Mittwoch in Berlin erste Ergebnisse aus einer Studie, wonach 70 Prozent der Befragten körperliche Gewalt erlitten und 60 Prozent psychische Gewalt erfahren haben. Knapp ein Drittel der im Rahmen der Untersuchung Befragten berichteten von sexuellen Übergriffen.

Die Studie ist von der Caritas-Behindertenhilfe in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Institut für Angewandte Forschung, Entwicklung und Weiterbildung (IAF) erarbeitet worden. Knapp 340 behinderte Menschen, die schon seit ihrer Kindheit in Heimen leben, konnten befragt werden. Darüber hinaus wurden weitere 2.300 Personen registriert, die damals ebenfalls in einem katholischen Heim lebten. Sie können aber wegen der Schwere ihrer Behinderung keine Auskunft geben.

Gespräch über Fonds für behinderte Heimkinder

Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, geben aber einen Einblick. Als Täter und Täterinnen nannte die Befragten Mitarbeiter, andere Heimkinder und Externe, wie zum Beispiel Angehörige. Die Studie soll in der kommenden Woche in Berlin vorgestellt werden.

Bund, Länder und Kirchen sind seit 2015 im Gespräch darüber, analog zu den Heimkinderfonds West und Ost einen Fonds für behinderte Heimkinder einzurichten. Bisher gibt es keinen Beschluss. Behinderten- und Sozialverbände protestieren gegen die Verzögerungen und die im Vergleich geringeren Summen, die gezahlt werden sollen. Behinderte Menschen, die als Kinder unter der Heimunterbringung gelitten haben, erhalten bisher gar keine Entschädigungen.