CDU-Politiker fordert mehr Engagement der Bürger für Flüchtlinge

epd-bild/Juergen Blume

Martin Patzelt.

CDU-Politiker fordert mehr Engagement der Bürger für Flüchtlinge
Der CDU-Politiker Martin Patzelt hält die Integration von Flüchtlingen ohne mehr bürgerschaftliches Engagement nicht für möglich. Er wünsche sich mehr Gemeinsinn, sagte er im epd-Gespräch.

Berlin (epd)"Wir brauchen den Schulterschluss mit der Zivilgesellschaft, um ein gesamtgesellschaftliches Problem zu lösen", sagte der Bundestagsabgeordnete, der im Sommer selbst zwei junge Eritreer aufgenommen hat, in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er erneuerte seinen Aufruf an die Bürger, selbst Flüchtlinge bei sich aufzunehmen.

Nach wie vor stehe viel Wohnraum leer. "Ich denke an alte Menschen, die allein in einer Villa leben und nicht mehr selbst das Laub zusammenharken können", sagte Patzelt. Als weiteres Beispiel nannte er Ferienhäuser, die nicht mehr genutzt werden. "Ich weiß auch von leerstehenden Einliegerwohnungen, die geschaffen wurden, weil die Eltern dachten, die Kinder könnten später dort wohnen", sagte der frühere Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder).

"Ich wünsche mir mehr Gemeinsinn"

Parallel dazu würden Zeltstädte auf engstem Raum errichtet. "Das ist ein bizarrer Gegensatz", sagte Patzelt. Es spiegele auch die Erwartung an die Politik, sie solle allein das Problem lösen. Dabei seien die öffentlichen Haushalte überschuldet, während das gesparte Privatvermögen in Deutschland erstaunlich groß sei. "Ich wünsche mir mehr Gemeinsinn", sagte der CDU-Politiker.

Der 68-Jährige sprach sich auch dafür aus, Flüchtlinge zur Not in ehrenamtliche Beschäftigung zu bringen. Sie seien bereit etwas zu tun. Alle Vereine, Kirchen, Kommunalverwaltungen könnten Angebote machen. "Sie könnten auf Sozialstationen anpacken, wenn ältere Arbeitnehmerinnen es körperlich kaum noch schaffen, Patienten aufzuhelfen oder zu drehen", sagte Patzelt. Er könne sich auch Kofferträger auf großen Bahnhöfen vorstellen, die älteren oder behinderten Menschen mit Gepäck helfen. "Wir haben viele Dienste, die unser Zusammenleben erleichtern würden, wofür aber kein Geld da ist", sagte er.

Er wolle gegen die Gefahr von Parallelgesellschaften angehen, sagte Patzelt und kritisierte die lange Unterbringung in Massenunterkünften, in denen die Flüchtlinge ohne Beschäftigung ausharren müssen. Was an Integration nicht geschafft werde, werde auf die Gesellschaft zurückfallen, sagte Patzelt. "Wer sich nicht aus Nächstenliebe oder weihnachtlichen Motiven auf den Weg macht, muss wenigstens begreifen, dass er sich mit der Hilfe bei der Integration auch selbst hilft", sagte er.

Ein Integrationspflichtgesetz, wie es die CDU auf ihrem Parteitag gefordert hat, lehnte Patzelt ab. "Ich halte es für zynisch, wenn im Gegenzug keine Möglichkeiten zur Partizipation angeboten werden", erklärte er und ergänzte: "Uns fehlen Lehrer für Deutschkurse, Erzieher, Sozialarbeiter, Psychotherapeuten, bei denen schon die Deutschen lange auf einen Termin warten." Der Parteitagsbeschluss sei inkonsequent, wenn er nicht sage, wie es gemacht werden solle.