Die letzte Schlacht der freien Radikalen

epd-bild/Studiocanal/Murray Close

"Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" kommt kommenden Donnerstag in die Kinos.

Die letzte Schlacht der freien Radikalen
Showdown in Panem. «Mockingjay - Teil 2», der letzte Film der Erfolgsserie um die coole Bogenschützin Katniss Everdeen und ihre jugendliche Rebellentruppe, zündet ein effektvolles Feuerwerk - und bleibt dabei auch politisch spannend.

Frankfurt a.M. (epd)Man wird es vermissen, das langzähnige Haifischlächeln von Donald Sutherland. Seinem Diktator Snow schlägt im vierten und abschließenden Akt der Jugendromanverfilmungen um die "Tribute von Panem" das letzte Stündlein. Aber man wird auch seine Gegner vermissen, allen voran Jennifer Lawrence als moderne Göttin Diana: eine Amazone, die gerne zagt und zaudert, aber dann doch den Pfeil aus dem Köcher zieht, um für die gerechte Sache zu töten. In Mini-Auftritten und mit knackigen Sätzen feiert auch der "Spielmacher", der 2014 verstorbene Philip Seymour Hoffman, Wiederauferstehung.

Kompromisslos und ohne Erklärung

So bekräftigt "Mockingjay - Teil 2", der vierte und letzte Film der Serie, noch einmal, was dieses Epos aus anderen Fantasy-Spektakeln hervorhebt: markante Figuren, die mit shakespearscher Dialogwucht über Leben und Tod, Politik und Moral verhandeln, und die Verschmelzung von Action, Coming-of-Age-Drama und Mediensatire, durchsetzt mit Anspielungen auf Antike, Totalitarismus und Zeitgeschichte. Kurz, eine Inszenierung, in der scheinbar niemand je Angst davor hatte, das Teeniepublikum intellektuell zu überfordern - und die trotz ihrer dramatischen "Blut, Schweiß und Tränen"-Stimmung stets Drive besitzt.

Kompromisslos und ohne Erklärung wird man erneut mitten ins komplizierte Geschehen geschubst. Zwischen dem Kapitol, in dem sich die dekadente Elite der Nation Panem verschanzt, und den unterdrückten Distrikten herrscht nun offener Bürgerkrieg. Rebellenführerin Coin will die heldenhafte Katniss Everdeen medienwirksam zum Maskottchen der Revolution stilisieren.

Doch der ehrlichen Katniss sind Propagandaposen und strategische Hinterlist ein Graus. Um weitere Tote zu vermeiden, setzt sie sich ab und will selbst den Tyrannenmord an Diktator Snow zu verüben. Dabei bekommt sie Unterstützung von anderen Weggefährten, darunter Freund Peeta, der immer noch unter der Gehirnwäsche des Diktators leidet. Bei der Überwindung der tödlichen Fallen auf dem Weg zum Kapitol wird die ganze Stadt, von Überwachungskameras des Diktatoren-Fernsehens ausgeleuchtet, zur Arena.

Enttäuschende Showdown

Das sieht, angefangen von der im Beton-Brutalismus der 60er Jahre gehaltenen, zerbombten Metropole, über klaustrophobische Untergrundtunnel bis hin zum surrealen Palast, ziemlich großartig aus. Mit Panem haben die Setdesigner eine unverwechselbare düster-coole Welt geschaffen. Und Katniss Everdeen, die narrenfreie Radikale, die mal als getriebener Zauberlehrling und mal als beherzte Anführerin auftritt, ist und bleibt eine spannende Frauenfigur. Ihre innere Zerrissenheit (und auch ihre Wahl eines Mannes, der so wirkt, als könne er generell mit Frauen wenig anfangen) dürfte künftig manchem Film- und Genderseminar Diskussionsstoff liefern.

Umso bedauerlicher ist deshalb der enttäuschende Showdown. Trotz des Auswalzens des Finales auf zwei Filme kommen überraschende Wendungen allzu hastig und psychologisch unglaubwürdig daher. Am Schluss wird das Mädchen, das nie mitspielte und stets die Regeln brach, dann doch an die Konventionen eines billigen Happy-Ends verraten.