Großmufti von Jerusalem strebt Änderungen für Tempelberg an

epd-bild/Susanne Knaul

Der Grossmufti von Jerusalem, Scheich Muhammed Ahmad Hussein.

Großmufti von Jerusalem strebt Änderungen für Tempelberg an
Der Großmufti von Jerusalem steht mit seinen Äußerungen im Gegensatz zu Bestrebungen, die Gewalt am Tempelberg zu stoppen: Für ihn spielt es keine Rolle, dass sich an der Stelle des Felsendoms der erste und zweite jüdische Tempel befand.
30.10.2015
Susanne Knaul (epd-Gespräch)
epd

Jerusalem (epd)Der Großmufti von Jerusalem strebt Veränderungen des Status quo für den Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt an. Im Gespräch mit dem epd forderte Scheich Muhammed Ahmad Hussein eine Rückkehr zur Situation vor dem Krieg 1967, "als die Juden noch keinerlei Ansprüche auf unsere heiligen muslimischen Stätten stellten". Damit widerspricht der islamische Geistliche, dessen Einfluss sich auch auf das palästinensische Westjordanland und Jordanien erstreckt, der israelischen Position. Israel hält an der seit 1967 geltenden Regelung fest, wonach Muslime das Recht zum Gebet auf dem Tempelberg haben, Juden dagegen das Areal um den Felsendom und die Al-Aksa Moschee nur besuchen dürfen.

Begriff "Tempelberg" sei Affront

Dass sich an der Stelle des Felsendoms der erste und zweite jüdische Tempel befand, hält der Jerusalemer Großmufti für eine Lüge. "Seit Menschheitsgedenken war dort eine Moschee und niemals etwas anderes", sagt der Großmufti. Scheich Hussein wurde im Juli 2006 von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zum Großmufti berufen. Davor war er Imam an der Al-Aksa Moschee und Kustos der islamischen Heiligtümer in Jerusalem.

Für den obersten islamische Geistliche von Jerusalem spielt keine Rolle, dass der Prophet Mohammed erst Jahrhunderte nach Christus lebte. Moscheen habe es schon zuvor gegeben."Religionen basieren auf Botschaften Gottes. Der Islam stützt sich auf alle Botschafter aller Religionen, und so ist es." Bereits der Begriff Tempelberg sei ein Affront, sagt Scheich Hussein. Er zog in Zweifel, dass sich je ein jüdischer Tempel an dem Ort befunden habe. "Die Al-Aksa Moschee ist eine islamische Moschee seit Erschaffung der Welt. Sie war nie etwas anderes als eine Moschee."

Überwachungskameras installiert

Mit seinen Äußerungen steht der Großmufti im Gegensatz zu internationalen Bestrebungen, die Eskalation von Gewalt an dem heiligen Ort zu stoppen. Um Provokationen am Tempelberg zu verhindern, sollen auf Initiative des jordanischen Königshauses, das in letzter Instanz für die Verwaltung der muslimischen Heiligtümer verantwortlich ist, Überwachungskameras installiert werden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte diese Initiative unterstützt. "Die Wakf (Hüter der islamischen Heiligstätten) hat versucht, Kameras anzubringen, aber die Israelis sind gekommen und haben sie wieder weggenommen", kritisiert der Großmufti. Die jordanische Wakf-Stiftung verwaltet den Tempelberg.

Zu den Spannungen in der Jerusalemer Altstadt trägt auch die dramatische Anstieg der Zahl nationalreligiöser Juden bei, die den Tempelberg besuchen. Waren es lange Zeit nur einige hundert Menschen, so stieg die Zahl der meist dem rechtsreligiösen Siedlerlager angehörenden Israelis inzwischen auf mehr 10.000. Viele Muslime fühlen sich von den Besuchen provoziert und fürchten, dass Israel doch den Status quo ändern wolle. Radikale jüdische Stimmen reden offen davon, anstelle des Felsendoms einen dritten jüdischen Tempel zu errichten, um so die Ankunft des Messias zu beschleunigen.