Bankchef: Deutschland muss für Flüchtlinge mehr tun als andere Länder

Bankchef: Deutschland muss für Flüchtlinge mehr tun als andere Länder
Der Chef der Commerzbank, Martin Blessing, hält Sorgen vor einer Überlastung Deutschlands in der Flüchtlingskrise für unbegründet. "Es ist gut und richtig, dass wir als eines der wohlhabendsten Länder unsere Verantwortung annehmen und auch mehr tun als andere", sagte Blessing dem Berliner "Tagesspiegel" (Montagsausgabe).

Zudem sei Deutschland angesichts des demografischen Wandels langfristig auf Zuwanderung angewiesen. Allein könne Deutschland das Problem aber nicht lösen, sagte der Vorstandssprecher der Commerzbank.

Mehr zu Flüchtlinge
Flüchtlingsunterkunft im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf,
Die Osnabrücker Wirtschaftspsychologin Christel Kumbruck hat vor dem Hintergrund der nach Deutschland kommenden ukrainischen Kriegsflüchtlinge vor einer weiteren Polarisierung der Gesellschaft gewarnt.
Sea-Eye 4
Die Besatzung der "Sea-Eye 4" hat 24 Menschen im Mittelmeer nach mehreren Tagen in Seenot gerettet. Die Flüchtlinge in einem Holzboot hätten bereits in der Nacht zum Donnerstag in der maltesischen Rettungszone einen Notruf abgesetzt.

Zwar wäre es ideal, wenn die EU eine gemeinsame Linie zur Lösung der Flüchtlingskrise finden würde, sagte Blessing weiter. "Aber ich weiß nicht, ob das möglich ist. Schließlich ist jedem Regierungschef das eigene Land am nächsten. Und mancher würde die Flüchtlinge lieber im Nachbarland sehen als bei sich - so zynisch das ist."

Auf die Frage, ob seine Bank als zweitgrößtes deutsches Geldinstitut für Flüchtlinge etwas tun könne, etwa Girokonten gewähren, sagte Blessing: "Das tun wir schon jetzt. Allerdings ist das nicht immer einfach." So schreibe der Gesetzgeber vor, dass Banken ihre Kunden genau identifizieren müssen, um beispielsweise Geldwäsche zu verhindern. "Aber aus bekannten Gründen hat nicht jeder Flüchtling gültige Papiere", sagte Blessing.