Reformierter Bund fordert Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland

Reformierter Bund fordert Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland
70 Jahre nach den amerikanischen Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki hat der Reformierte Bund die Bundesregierung aufgefordert, sich für den vollständigen Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland stark zu machen.

Der Vorstand des kirchlichen Dachverbandes, der sogenannte Moderamen, wandte sich in einer Stellungnahme vom Freitag in Hannover entschieden gegen jeden Einsatz und die Bereitstellung von Massenvernichtungswaffen.

Die Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki vom 6. und 9. August 1945 waren der erste und bislang einzige Einsatz von Atomwaffen in einem Krieg. Sie hätten noch immer währendes Leid über Hunderttausende Menschen gebracht, heißt es in der Stellungnahme. "Die Schreckenserfahrungen haben die Menschheit nicht zur Einsicht gebracht." In Deutschland lagerten noch mehr als 100 Atomwaffen mit deutlich größeren Vernichtungspotential.

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<p><strong>Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki</strong> (von Nils Sandrisser, epd)</p>

<p>Die Bilder vom Atompilz über Hiroshima sind zum Symbol für den nuklearen Schrecken geworden: Mehr als 200.000 Menschen starben nach dem Abwurf der ersten Atombomben durch die US-Luftwaffe.</p>

<p>Der Bomber, der am frühen Morgen des 6. August 1945 auf Japan zufliegt, transportiert die Waffe mit der bis dahin größten Vernichtungskraft: die mehr als vier Tonnen schwere Atombombe "Little Boy". US-Präsident Harry Truman hat sich entschlossen, sie einzusetzen.</p>

<p>Zehntausende Menschen sind sofort tot. Sie sterben in den Trümmern zusammenstürzender Gebäude oder verbrennen in Sekundenschnelle im Feuerball, der noch am Boden Temperaturen von 6.000 Grad Celsius erreicht. 80 Prozent der überwiegend aus Holz gebauten Häuser Hiroshimas sind zerstört, der Atompilz steigt 13 Kilometer hoch in die Atmosphäre. Wer die Explosion überlebt, hat oft schwere Verbrennungen erlitten.</p>

<p>Nach einigen Tagen beginnt die Strahlenkrankheit: Die Opfer erbrechen sich, haben Durchfall, bluten aus Mund und Nase und leiden unter Geschwüren. In den Wochen und Monaten nach dem Angriff sterben qualvoll noch einmal 70.000 bis 100.000 Menschen. Im Oktober 1945 verbietet die US-Besatzung zunächst alle Fotografien und Filmaufnahmen von Hiroshima, damit das Ausmaß der Zerstörung nicht öffentlich wird.</p>

<p>Am 9. August explodiert eine weitere Atombombe über Nagasaki. Insgesamt sterben in Hiroshima und Nagasaki 90.000 Menschen sofort, weitere 130.000 bis Ende des Jahres an den Folgen des Atombombenabwurfs.</p>

<p>Die Strahlenschäden seien bis ins hohe Lebensalter nachweisbar, stellen die "Internationalen Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs" (IPPNW) fest. Das Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen sei bei den Überlebenden bis vor wenigen Jahren stetig gestiegen und heute bei über 80-Jährigen immer noch signifikant erhöht. Seit kurzem steige zudem die Zahl der Herzinfarkte bei Überlebenden. Auf der ganzen Welt wird am 6. August der Opfer gedacht.</p>


Die Bundesregierung sollte nach Auffassung des Reformierten Bundes Initiativen unterstützen, die eine vollständige Abrüstung aller Atomwaffen anstreben. Der Konflikt in der Ukraine zeige aktuell, wie brüchig der Friede auch in Europa sei, mahnte der Kirchenbund: "Das Drohen mit dem Einsatz von Massenvernichtungsmitteln scheint wieder möglich zu sein."

Der Reformierte Bund versteht sich als konfessioneller Dachverband. Ihm gehören als Hauptträger die Evangelisch-reformierte Kirche sowie die Lippische Landeskirche an. Zudem sind auch unierte Kirchen sowie reformierte Gemeinden, Zusammenschlüsse und Einzelpersonen Mitglieder.