Kurden in Deutschland befürchten Bürgerkrieg in der Türkei

Kurden in Deutschland befürchten Bürgerkrieg in der Türkei
Die Kurdische Gemeinde in Deutschland reagiert besorgt auf die Angriffe der türkischen Luftwaffe gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK.

"Wir haben große Sorge, dass es in der Türkei zu einem Bürgerkrieg kommen könnte", sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Ali Ertan Toprak, am Mittwoch in einem Interview von NDR Info Radio. Es sei zu befürchten, dass sich der Konflikt zwischen Kurden und der türkischen Regierung ähnlich wie in den 1990er Jahren zuspitzen könnte. Damals hatten militärische Auseinandersetzungen zehntausende Opfer gefordert. "Bei einem Bürgerkrieg in der Türkei gibt es keine Sieger, sondern nur Verlierer", betonte Toprak.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Dienstag den Friedensprozess mit den Kurden für beendet erklärt. Verhandlungen mit der PKK schloss er erst einmal aus. Stattdessen werde die Türkei "mit Entschlossenheit" ihren Militäreinsatz fortsetzen - sowohl gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" als auch gegen die Kurden.

Mehr zu Türkei
İlker Çataks Verfilmung von Finn-Ole Heinrichs gleichnamigen Roman fängt auf magische Weise ein, was es heißt, 18 und frei zu sein. Die Geschichte zweier ungleicher Freunde, die zusammen nach Istanbul reisen.
Neues Zeltlager für Migranten auf Lesbos
Nach dem Flüchtlingsdrama auf Lesbos fordert Migrations-Experte Gerald Knaus eine Evakuierung der Lager auf den Inseln und eine Neuauflage des Türkei-Griechenland-Abkommens. Bei der Suche nach politischen Lösungen könnten die Kirchen wichtige Impulse geben.


Toprak zufolge ist das Handeln von Staatspräsident Erdogan in erster Linie innenpolitisch motiviert. Erdogans Partei AKP hatte bei den Parlamentswahlen Anfang Juni zum ersten Mal seit 2002 ihre Regierungsmehrheit verloren, als die prokurdische Partei HDP die Zehn-Prozent-Hürde und den Sprung ins Parlament schaffte. Toprak appellierte an die Kurden in der Türkei, sich nicht provozieren zu lassen.