Himmelfahrt am Vatertag

Foto:  duckycards/iStockphoto

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Himmelfahrt am Vatertag
Jesus sieht seinen Vater wieder
Himmelfahrt. Jesus verschwindet aus dem Blickfeld der Menschen. Aber er muss ja auch angekommen sein im Himmel. Wie könnte sich das zugetragen haben? Wagen wir einen Blick auf das Wiedersehen von Vater und Sohn.

"Noch ein paar Ellen, dann hast du es geschafft!" Gott schaut aufmunternd zu seinem Sohn hinab, der sich gerade bemüht, durch eine besonders dichte Wolke zu ihm heraufzusteigen. "Ehrlich gesagt", seufzt Jesus ein wenig ungehalten, "hatte ich schon öfters gedacht, ich hätte es endlich geschafft. Aber dann kam es für gewöhnlich nur noch härter." Doch dann ergreift er die ausgestreckte Hand Gottes und lässt sich das letzte Stück von ihm hinaufziehen. "Schön, dass du da bist, Junge!" Gott zieht Jesus in eine Umarmung, die jedem Sterblichen sämtliche Knochen brechen würde. "Frohe Himmelfahrt!", begrüßt er seinen Sohn und hält ihn mit ausgestreckten Armen vor sich. "Lass dich mal ansehen. Ach, je! Du siehst ja aus wie das wandelnde Elend!" "Kein Wunder, oder? Schließlich bin ich jahrelang herumgelaufen, habe mich von dem ernährt, was andere mir so gegeben haben, bin gefoltert, getötet und begraben. Damit nicht genug musste ich noch hinab in das Reich des Todes", sprudelt es aus Jesus hervor.

Gott schaut seinen Sohn mitleidig aber auch ein wenig verständnislos an. "Nun ja, das war der Plan, nicht wahr?", fragt er ein wenig zögernd, doch dann wird sein Blick neugierig: "Wie ist es dort, ich meine im Reich des Todes? Es ist wohl so ziemlich der einzige Ort, den ich nicht kenne!" "Da hast du nichts versäumt", winkt Jesus ab, "dunkel eben, und man merkt, dass du nicht da bist. Das macht es sehr ungemütlich." "Aber du hast Licht gemacht, oder? Du hast unsere Graffiti angemalt? 'God was here'? Sag mir, dass Du das getan hast!" "Viel besser", grinst Jesus und zieht aus seinem Gewand einen kleinen angelaufenen Schlüsselbund. "Nein!", ruft Gott begeistert, "die Schlüssel zur Unterwelt!" Gott sucht sichtbar nach den richtigen Worten, um seine Begeisterung auszudrücken. Schließlich lächelt er sehr breit und sagt: "Himmlisch."

Jesus grinst ein wenig verlegen. "Ja", sagt er dann langsam, "Nun werden die Leute da unten", er nickt in Richtung Erde, "selbst im Tod nicht ohne dich sein müssen." Dann wendet er seinen Kopf und blickt verstohlen zur Erde hinab. "Sie wissen nicht, was sie tun sollen", seufzt er, "sie sind so hilflos." "Du hast ihnen aber doch gesagt, was sie tun sollen, oder?", Gott runzelt ein wenig die Stirn. "Ja, das habe ich", antwortet sein Sohn. "Kurz bevor ich ging habe ich ihnen noch einmal unmissverständlich gesagt: Geht, verkündigt das Evangelium und tauft, was das Zeug hält! Aber dennoch", Jesus schaut ein wenig verlegen, "ich meine, du weißt doch, wie sie sind. Wie oft hast du ihnen schon gesagt, was sie tun sollen, und dann haben sie doch wieder gemacht, was sie wollten."

"Willst du sagen", sagt Gott und wirkt ein wenig aufgebracht, "dass der ganze Aufwand nichts gebracht hat? Maria, die ungewollte Schwangerschaft, die Jahre, in denen du gepredigt hast, die Wunder, die Heilungen, meine Güte, was brauchen sie denn noch?" "Nein", sagt Jesus und sieht seinem Vater nun direkt ins Angesicht, "es hat eine Menge gebracht, denke ich. Ich kann sie jetzt verstehen. Du kannst mir glauben, es gab mehr als nur einen Moment, an dem ich gern alles hingeschmissen hätte." "Ja, ich erinnere mich an diese Geschichte im Garten. Wie hieß der doch gleich?" "Gethsemane", hilft ihm Jesus. "Aber es waren eben nicht nur die Momente, in denen es mir wirklich schlecht ging. Manchmal, wenn ich mich rundum wohl fühlte, wenn ich mal zu Ruhe kam, wenn die Gesellschaft gerade besonders nett war oder das Essen, dann dachte ich mir: Ach, Gott, morgen muss ich wieder ran. Ich verstehe sie jetzt. So richtig."

Gott lächelt, dann weist er auf den besonders bequemem Sessel rechts von seinem eigenen und sagt: "Komm, mach's dir bequem!" Als Jesus Platz genommen hat, schaut er seinen Sohn an und fragt: "Dann hat sie dir also gefallen, meine Schöpfung?" "Ja, sehr!", seufzt Jesus, "eine wirklich gute Arbeit! Und das ganze in sieben Tagen." "Was gefiel dir am besten?" Jesus denkt nur kurz nach, dann antwortet er: "Der Wein." Etwas zögernd fügt er hinzu: "Die Frauen sind auch sehr gut gelungen." Gottes Angesicht wird noch ein wenig heller: "Es scheint mir, als wärst Du in der Tat wahrer Mensch gewesen. Gut so! Aber was machen wir nun mit den anderen?" Jesus schaut kurz in Richtung Erde. "Ich denke, wir können sie nicht ganz allein lassen. Schicken wir ihnen unseren Geist. Der kann sie dann auch immer mal wieder erinnern, dass es mehr gibt." "Mehr als was?", fragt Gott. "Mehr als Wein und Frauen zum Beispiel", gibt Jesus errötend zu.

"Ja, ruh dich erst einmal ein wenig aus, und dann schicken wir ihnen unseren Geist. Du siehst wirklich immer noch sehr mitgenommen aus. Aber nun kannst Du ja hierbleiben und dich bis in alle Ewigkeit erholen." Jesus runzelt die Stirn: "Ich denke, ich werde wieder hingehen. Du weißt schon: runter zu ihnen." "Wegen des Weins?" Jesus fängt so heftig an zu lachen, dass er zu husten beginnt. "Nein," sagt er und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht, "weil es doch irgendwann einen neuen Himmel und eine neue Erde geben soll. Und dann hole ich sie her. Alle!" Auf einmal hat Gott einen Becher in der Hand und reicht ihn Jesus: "Wein?" Und während ein paar Engel auftreten, um ein besonders schönes "Heilig, heilig!" zu singen, hebt Jesus den Kelch und nickt Gott zu: "Schönen Vatertag!"

Bildergalerie

Die große Inszenierung: Christi Himmelfahrt in der Kunst

Christi Gang zum Himmel

Foto: Andreas Praefcke/Wikimedia Commons

Christi Gang zum Himmel

Foto: Andreas Praefcke/Wikimedia Commons

Die Begebenheiten rund um die Himmelfahrt Christi beschreiben die beiden Evangelisten Markus (Mk 16,19) und Lukas (Lk 24,50-52; Apg 1, 9-12), allerdings, wie so oft, mit kleinen Variationen im Detail. Diese beflügelten die Fantasie von Handwerkern und Künstlern, so dass ganz unterschiedliche bildliche Umsetzungen des Themas im Laufe der Jahrhunderte entstanden. Der Schnitzer einer der frühesten Darstellungen des Themas, der sog. "Reiderschen Tafel", eines bereits um 400 nach Christus entstandenen Elfenbeinreliefs im Bayerischen Nationalmuseum in München, stellte sich vor, dass Christus sich selbst gen Himmel aufgemacht habe. Die Szenerie verbindet das Zusammentreffen der drei Marien mit dem Engel am leeren Grab am Ostermorgen unten mit der Wiedergabe des Gottessohnes, der einen Berghang zum Himmel hinauf erklimmt und die aus den Wolken gereichte Hand Gottes ergreift. Die Körpersprache der beiden anwesenden Jünger unter ihm verrät Überraschung und Überwältigung.

Thronend auf dem Regenbogen

Foto: Fingalo/CC BY-SA 2.0/Wikimedia Commons

Häufiger jedoch wurde die Version ins Bild gesetzt, die besonders das Markus-Evangelium (Mk 16,19: "Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.") und die Apostelgeschichte des Lukas nahelegen (Apg 1,9-12). Besonders beliebt war und ist sie im Bereich der orthodoxen Kirchen des Ostens. Die ausführenden Handwerker des Kuppelmosaiks der Sophienkirche von Thessaloniki, 9. Jahrhundert, schufen einen im Beisein der Apostel und Mariens von Engeln in einer Aureole in den Himmel getragenen Christus. Er thront auf einem Regenbogen und segnet mit der Rechten die im Bild Anwesenden, aber auch die Betrachter des Mosaiks. Neben der betenden Muttergottes wenden sich zwei Engel an die Apostel. Eine griechische Inschrift bietet den Text von Apostelgeschichte 1,10-11, der Grundlage des Bildentwurfs: "Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen."

Aufregung und Bewegung

Foto: Landesmuseum Württemberg, Stuttgart/ P. Frankenstein/H. Zwietsch/CC BY-SA

Eine Darstellung dieser Art, wie sie auch der Deckel eines kleinen Reliquienkästchens aus Elfenbein im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart aus dem 10. Jahrhundert zeigt, entwickelt sich im Einflussbereich der orthodoxen Kirchen zum gängigen Modell, wird aber auch im westlichen Mittelalter umgesetzt. So klein das Kästchen auch sein mag (16,5 cm x 9 cm), machte man sich dennoch die Mühe, die Aufregung der Jünger in möglichst vielen Körperhaltungen zu zeigen.

Immer einer zuviel?

Foto: akg-images/De Agostini Picture Lib./G. Dagli Orti

Doch auch im Westen schätzte man die Vorstellung des majestätisch gen Himmel getragenen Gottessohnes. Der Renaissance-Maler Perugino inszenierte dies um 1495-1500 für ein Altargemälde, heute im Musée des Beaux-Arts, Lyon, mit diversen Gruppen von teilweise auch musizierenden Engeln als überwältigendes Gesamtschauspiel. Ist es Ihnen aufgefallen? In beinahe allen Darstellungen ist eine Person dabei, die der Erzählung der Apostelgeschichte nach zum Zeitpunkt der Himmelfahrt noch gar nicht zu den Anhängern Jesu zählte: Paulus, zumeist mit dunklem Spitzbart und Schwert, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch als Saulus, Sohn aus vornehmer Familie, als Pharisäer in Jerusalem lebte und auf die Christen nicht gerade gut zu sprechen war. Die Vervollständigung der "kanonischen" Gruppe der Apostel war hier vermutlich für die Künstler wichtiger als die Logik der Texte.

Wie die Kaiser: auf in neue Gefielde

Foto: akg-images/Album/E. Viader/Prisma

In seiner würdevollen Anmutung knüpft das Bild des von Engeln zum Himmel getragenen Christus an Darstellungen der Vergöttlichung verstorbener römischer Kaiser und ihrer Angehöriger an, ihrer Aufnahme in den römischen Götterhimmel (Apotheose). Hier wird das Kaiserpaar Antoninus Pius (gestorben 161 nach Christus) und Faustina von einer geflügelten Personifikation der Ewigkeit und begleitet von Adlern in neue Sphären entrückt.

Wolkig unterwegs

Foto: Giotto di Bondone/Wikimedia Commons

Giotto ergänzte in seinem Fresko für die "Arena-Kapelle" der Familie Scrovegni in Padua, Italien, in den Jahren um 1305 das für die Textversion der Apostelgeschichte wichtige Element der Wolke. Selten war das Firmament einer Himmelfahrtsszene von einem so reinen Blau wie in den Malereien des Florentiners.

Christus springt

Foto: bpk / Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, SMB/Jörg P. Anders

Die verschiedenen Angaben der Evangelien und die unterschiedlichen Bildtraditionen, die sich daraus entwickelt haben, führten auch zu teilweise etwas kuriosen Entwürfen. Vielleicht unschlüssig, ob Christus sich nun selbst gen Himmel aufmachte oder aber getragen und entrückt wurde, lässt der Schnitzer dieses um 1100 entstandenen Elfenbeindeckels die Sache offen. Von Engeln in einer mandelförmigen Aureole (Mandorla) umfangen, "springt" Christus gleichsam der sich zu ihm herunterstreckenden Hand Gottes entgegen.

Abgehoben und doch noch da

Foto: Albrecht Dürer/National Gallery of Art Washington/Wikimedia Commons

Die spätmittelalterliche Frömmigkeit lenkte die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche. Haben Sie die Fußabdrücke bemerkt, die in Albrecht Dürers Himmelfahrt Christi in seiner "Kleinen Passion" von 1509-1511 auf dem Berg zurückbleiben? Sie werden durch die Köpfe der Apostel und Mariens umrahmt, damit fast stärker in das Zentrum gerückt als der nach oben entschwindende Gottessohn, von dem nur der Anblick der Füße bleibt. Falls Sie sich das fragen: Abgeschnitten wurde an diesem Bild nichts.

Loch im barocken Ambiente der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Söll (Tirol).

Foto: Wolfgang Sauber/CC BY-SA 3.0/Wikimedia Commons

Einen vergleichbaren optischen Eindruck müssen auch die Zuschauer in den seit dem Mittelalter an hohen kirchlichen Feiertagen an bestimmten Orten in der Kirche abgehaltenen "geistlichen Schauspielen" gehabt haben. An Christi Himmelfahrt zum Beispiel wurden hierbei an Seilen befestigte Christusfiguren durch Löcher im Scheitelpunkt des Gewölbes nach oben gezogen. Diese fuhren damit gleichsam vor den Augen der Zuschauer in den Himmel auf und ließen damit für das Publikum die Ereignisse lebendig werden. Unser Beispiel zeigt ein solches Loch im barocken Ambiente der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Söll (Tirol). Christi Füße und Fußabdrücke waren in jedem Fall entscheidend, denn …

Der Ort macht es: Die Himmelfahrtskapelle

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

... der Ort auf dem Jerusalemer Ölberg, an dem man das Ereignis der Himmelfahrt Christi vermutete, wurde bereits seit der Spätantike von gläubigen Christen verehrt und war ein echtes Pilgerziel. In der Zeit der Kreuzfahrerherrschaft über Jerusalem errichtete man dann im zwölften Jahrhundert eine neue kleine Kapelle mit aufwändigem Bauschmuck über dem Ort. Der Bau hat mit kleinen Veränderungen bis heute überdauert. …

Verehrter Fuß

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

... Darin wird auch heute noch ein besonders eingerahmter Stein verehrt, in dem man einen verbliebenen Abdruck der Füße Christi, hinterlassen im Augenblick der Himmelfahrt, zu erkennen glaubt.

Ganz großes Kino

Foto: Rembrandt/www.uni-leipzig.de/Wikimedia Commons

Das was zum Maßstab barocker Inszenierung der Himmelfahrt Christi werden soll, zeigt bereits Rembrandt in seinem Altarbild von 1636, heute in der Alten Pinakothek in München. Den in Überraschung, Anbetung und vor allem im Dunklen zurückbleibenden Jüngern geht es dabei ähnlich wie dem Betrachter des Altars. Sie können nur staunend verharren vor dieser Inszenierung aus Licht und Farbe. Putten stützen die Wolke, auf welcher der nach oben blickende Gottessohn, schon nicht mehr Teil des Irdischen, zur Taube des Heiligen Geistes hin entschwebt. Nicht nur für die Menschen des 17. Jahrhunderts war das ganz großes Kino.

Die Himmelfahrt Jesu in der Bibel

Die Geschichte von der Himmelfahrt Jesu wird in der Bibel mehrfach erzählt beziehungsweise angedeutet. Die ausführlichste Beschreibung steht in der Apostelgeschichte 1,1-14. Auch im Lukasevangelium wird davon erzählt (Lk 24,50-53). Matthäus beschreibt den Missionsbefehl Jesu an seine Jünger (Mt 28,16-20). Das Markusevangelium erwähnt die Himmelfahrt ebenfalls kurz (Mk 16,19). Das Johannesevangelium kennt keine Geschichte von der Himmelfahrt.