UN-Expertin: Fast 60 Konfliktparteien setzen Kindersoldaten ein

Betreuung ehemaliger Kindersoldaten in Norduganda

Foto: epd-bild / Zeitenspiegel Repo/Frank Schulze

Kindersoldat in Norduganda

UN-Expertin: Fast 60 Konfliktparteien setzen Kindersoldaten ein
In den meisten aktuellen Kriegen werden nach Angaben einer UN-Expertin weiter Kinder und Jugendliche als Soldaten eingesetzt.

"Wir können mit Sicherheit sagen, dass Zehntausende Jungen und Mädchen unter 18 Jahren immer noch bei Regierungstruppen und nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen dienen", sagte Sophie de Coninck von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Genf. Kinder müssten zum Beispiel in Syrien und im Südsudan kämpfen oder dort Hilfsdienste für Kämpfer leisten.

Die anhaltende Rekrutierung von Jungen und Mädchen für Kampftruppen sei eine "weltweite Plage", betonte die belgische Expertin anlässlich des Internationalen Tages gegen den Einsatz von Kindersoldaten (Red Hand Day) an diesem Donnerstag. Auf der "UN-Liste der Schande" im Jahr 2014 stünden fast 60 Konfliktparteien in Afrika, Asien, im Nahen und Mittleren Osten sowie in Lateinamerika, die Kinder in ihren Reihen hätten.

Die Jungen und Mädchen würden ihrer Kindheit beraubt. Sie kämen auf unterschiedliche, aber hochgefährliche Weisen zum Einsatz: Als Selbstmordattentäter, Kämpfer, Meldegänger, Spione oder sie würden als Sexualobjekte missbraucht.

"Das Risiko für Verletzungen ist bei Kindern natürlich besonders hoch", sagte de Coninck. Zahlen über verwundete oder gefallene Minderjährige gebe es aber nicht. Die Gesundheit der Kindersoldaten werde auch durch Hunger, schwere Arbeit, Prügelstrafen, Krankheiten und Vergewaltigungen bedroht.

De Coninck begrüßte die begonnene Freilassung von 3.000 Kindersoldaten im Südsudan im Januar. In den vergangenen Jahren hätten bereits mehrere Tausend andere Mädchen und Jungen ihre Uniformen ausziehen können. Genauso wichtig wie die Freilassung sei aber die Prävention. Die internationale Gemeinschaft müsse verstärkt gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten kämpfen, forderte sie.

"Das Risiko der Rekrutierung wird verringert, wenn die Kinder in stabilen Familienverhältnissen aufwachsen", erläuterte de Coninck. Dazu gehörten auch der Schulbesuch und gesundheitliche Versorgung. Teenagern müssten natürlich auch Möglichkeiten geboten werden, ihren Lebensunterhalt auf friedliche Weise zu bestreiten.

Unter dem Titel "Red Hand Day" wird jedes Jahr am 12. Februar der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten begangen. Mit Aktionen und Demonstrationen protestieren Menschen weltweit gegen den Missbrauch von Kindern als Kämpfer - sei es in staatlichen Armeen, Rebellengruppen, Milizen oder bewaffneten Banden. Ihre Zahl wird auf 250.000 geschätzt. Das Nein zur Rekrutierung von Kindern wird symbolisiert durch eine rote Hand (Red Hand). Der Gedenktag erinnert an das Inkrafttreten eines Zusatzprotokolls zur UN-Kinderrechtskonvention am 12. Februar 2002, das Kinder unter 18 Jahren vor Krieg und Gewalt schützen soll.

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