Debatte um Mode und Moral

Textilindustrie in Asien

Foto: dpa/Christian Charisius

Debatte um Mode und Moral
Politik und Wirtschaft sind beim Textilbündnis weiter uneins
Fast zwei Jahre nach dem Einsturz der Textilfabriken in Bangladesch mit rund 1.130 Toten ringen Politik und Wirtschaft weiter um die Konsequenzen für die deutsche Bekleidungsindustrie.

Die Grünen-Verbraucherschutzexpertin Renate Künast plädierte am Mittwoch bei einem Parlamentarischen Abend der christlichen Micha-Initiative Deutschland für eine europäische Transparenzrichtlinie, damit Firmen ihre gesamte Lieferkette offenlegen müssten.

Der Staatssekretär im Bundesentwicklungsministerium, Friedrich Kitschelt (CDU), setzt mit dem deutschen Textilbündnis derweil auf Aufklärung und Verantwortung der Verbraucher. Der Handelsverband Deutschland (HDE) bekräftigte seine Ablehnung des Bündnisses und bemängelte unter anderem eine einseitige Verpflichtung der Wirtschaft.    

Künast fordert Regelungen für Textilindustrie auf EU-Ebene

Künast kritisierte das vom Bundesentwicklungsministerium im Oktober ins Leben gerufene Textilbündnis als international nicht wirksam genug. "Die gesamte Produktionskette sollte auf europäischer Ebene geregelt werden", forderte die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Recht und Verbraucherschutz. Zudem sprach sich Künast dafür aus, mehr Druck auf die Parlamente in Ländern wie Bangladesch zu machen. "Was bei uns Standard ist, muss doch auch für Importe gelten."


Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung monierte eine mangelnde Umsetzung bestehender Regelungen. "Standards, die irgendwo geschrieben sind, sind manchmal das Papier nicht wert, auf dem sie stehen", sagte die Autorin des Buches "Todschick: Edle Labels, billige Mode - unmenschlich produziert". Wenn eine freiwillige Initiative wie das Textilbündnis nicht funktioniere, und sich keine Unternehmen anschlössen, werde ihre Nichtregierungsorganisation auch für eine Gesetzesinitiative eintreten.

Kitschelt verteidigte indes das freiwillige Bündnis. Es werde Transparenz geschaffen, damit der Verbraucher wisse und entscheiden könne, was er kaufe. "Wir gehen nicht nur auf die Unternehmen zu, sondern verankern die Verantwortung bei jedem von uns", betonte er. "Da kommen Sie zu einem Bündnis, das sich trägt, aber nicht durch Regulation", sagte er mit Blick auf mögliche gesetzliche und überprüfbare Verpflichtungen.

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, der dem Bündnis nicht angehört, beklagte, "dass es keine Anerkennung gibt für das, was heute schon von der Wirtschaft geleistet wird". Eine Zusammenarbeit mit Agenturen in Asien gebe es zum Beispiel kaum noch. Der HDE sei dem Textilbündnis nicht beigetreten, weil etwa eine internationale Verknüpfung fehle, die Wirtschaft sich nicht einseitig verpflichten wolle und der Aktionsplan nicht konkret genug und nicht von heute auf morgen umsetzbar sei. 

Ziel des Textilbündnisses sind bessere Löhne, sicherere Arbeitsbedingungen, das Verbot von Kinderarbeit sowie mehr Umwelt- und Gesundheitsschutz in Ländern wie Bangladesch und Pakistan. Derzeit zählt das freiwillige Bündnis rund 60 Mitglieder, darunter Gewerkschaften und Hilfsorganisationen, aber nur wenige Unternehmen und keine großen Markenhersteller.

Auch die Micha-Initiative, eine international vernetzte christliche Kampagne, setzt sich für menschenwürdige Arbeit in der Textilindustrie ein und startete im vergangenen Herbst die Kampagne "Gut zu (er)tragen?". Der Vorsitzende der Micha-Initiative Deutschland, Rolf Zwick, betonte am Mittwochabend mit Blick auf den Einsturz der Textilfabriken in Bangladesch: "Das Unglück ist passiert, weil wir billige T-Shirts kaufen möchten."

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