Expertin: Firmen müssen pflegende Angehörige unterstützen

Expertin: Firmen müssen pflegende Angehörige unterstützen
Die Pflege eines Angehörigen ist stark belastend - vor allem wenn die Pflegenden berufstätig sind. Zwar ist seit 1. Januar ein neues Gesetz zur besseren Vereinbarung von Beruf und Pflege in Kraft - aber das allein werde nicht reichen, sagte Andrea Lameck, Koordinatorin im "Netzwerk pflegend Beschäftigter" im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Unternehmen müssten ihre durch die Pflege belasteten Mitarbeiter selbst aktiv unterstützen. Hier sei in den Betrieben noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, betont Lameck. Es könne nicht im Interesse der Firmen sein, wenn wichtige Mitarbeiter durch die Doppelbelastung von Job und Pflege ausfielen: "Das kann gerade kleine Unternehmen vor fast unüberwindbare Probleme stellen."

Lameck empfiehlt, Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen zu suchen, und verweist auf ihr Projekt "Netzwerk pflegend Beschäftigte - Wenn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu pflegenden Angehörigen werden", das 2013 gestartet wurde. Es handelt sich um eine Initiative der Altenheime der Stadt Mönchengladbach GmbH gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Konkret Consult Ruhr GmbH, bei dem Lameck beschäftigt ist.

Das Netzwerk ist eine Beratungs-, Kommunikations- und Dienstleistungsplattform für mittelständische Unternehmen und ihre Mitarbeiter, die Pflege und Beruf miteinander vereinbaren müssen. Ziel ist eine Zusammenarbeit mit Dienstleistern aus dem Gesundheits- und Pflegebereich. 30 Firmen sind bereits dabei. Im Kern geht es laut Lameck darum, für die Beschäftigten ein Netzwerk aufzubauen, durch das Angebote wie betriebsübergreifende Tagesgruppen, Kurzzeit- oder Urlaubspflegen geschaffen werden können. Das kommt den Firmen direkt zugute: Der Verbleib der Fachkräfte in den Unternehmen werde gesichert.

Skepsis gegenüber dem neuen Pflegezeitgesetz

Auch für die Unternehmen gibt es Angebote, so zum Beispiel Workshops sowie Informationsabende zum Thema Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. "Hier werden etwa Best-Practice-Berichte zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Tipps für Führungskräfte im Umgang mit durch Pflege belasteten Kollegen erörtert", berichtet die Koordinatorin.

Skeptisch sieht Lameck das neue Pflegezeitgesetz, das kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 25 Mitarbeitern ausspart. "Man darf gespannt sein, was für die vielen Kleinunternehmen getan wird, die mit dem Fachkräftemangel in besonderem Maße zu kämpfen haben.

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