Auf der Suche nach dem Weihnachtsfrieden

Stress statt Weihnachtsfreude

Foto: Getty Images/Christine Glade

Auf der Suche nach dem Weihnachtsfrieden
Weihnachten ist für Christen ein Fest des Friedens. Doch viele Menschen tun sich schwer, zu dieser Zeit ihren inneren Frieden zu finden. Darüber wird Professor Günter Niklewski am Sonntag (21. Dezember) im ZDF-Fernsehgottesdienst reden. evangelisch.de hat schon vorab mit dem Psychotherapeuten gesprochen.

Herr Professor Nikleweski, Sie wirken am Sonntag beim Fernsehgottesdienst im ZDF mit. Was wird Ihre Rolle sein?

Günter Niklewski: Im Gottesdienst wird es um Weihnachten als Fest des Friedens und der Freude gehen. In meinem Beruf als Psychotherapeut arbeite ich oft mit Menschen, die ihre Lebensfreude verloren haben. Gerade zur Weihnachtszeit fällt es vielen schwer, ihren inneren Frieden zu finden. Eine Pfarrerin hat mich gebeten, im Gottesdienst über meine Sicht der weihnachtlichen Situation zu sprechen.

Das ist ungewöhnlich. Oft gehen die Psychotherapie und die Religion getrennte Wege

Niklewski: Die Psychiatrie hat ganz klar einen säkularen Einschlag. Bevor ich ans Nürnberger Klinikum kam, war ich an einem kirchlichen Haus. Als ich dann im Klinikum nach den Krankenhausseelsorgern gefragt habe, erntete ich erstaunte Blicke. Heute gehören sie zu unserer Station dazu. Als Therapeut erlebt man zudem oft, dass Patienten von uns Antworten auf Sinnfragen erhoffen. Die können wir aber nicht geben.

Warum manifestiert sich das Gefühl des fehlenden inneren Friedens gerade zur Weihnachtszeit?

Niklewski: Da kommen sicherlich mehrere Dinge zusammen. Es ist die Mischung aus nicht in Erfüllung gegangenen Erwartungen, es ist die Folge übergroßer Erwartungen und sicherlich auch die Konflikte und Streitigkeiten mit anderen Menschen. Manchmal kommt noch etwas anderes dazu. Ein Patient von mir hat es so formuliert: "Weihnachten war früher etwas, da habe ich mich auf etwas gefreut. Heute freue ich mich nur noch über etwas."

Wie kann es glücken, dass man sich wieder auf Weihnachten freuen kann?

Niklewski: Das gelingt, wenn man die frohe Botschaft von Weihnachten in den Mittelpunkt stellt – und nicht das Essen oder die Geschenke. Das hat für mich auch mit Ostern zu tun. Weihnachten bietet auch die Möglichkeit, mit sich ins Reine zu kommen. Mit meinen Patienten schaue ich zurück – was war es, worauf sie sich früher gefreut haben? Oft sind die Erinnerungen an ein anderes Gefühl ein Türöffner, an den Menschen anknüpfen können.

Was ist mit denen, die Weihnachten feiern, aber nicht gläubig sind?

Niklewski: An Weihnachten sind die Kirchen voll. Auch diejenigen, die nicht jeden Sonntag hingehen, scheinen auf der Suche nach etwas zu sein. Im Weihnachtsgottesdienst erleben sie Religion wieder als Bezugspunkt. Das ist gut.

An Weihnachten sehen wir vermehrt die Menschen, denen es schlechter geht als uns. Auch das kann den inneren Frieden beeinflussen. Ist Spenden eine Möglichkeit oder hat das mehr was von Ablassleistungen?

Niklewski: Was die Spenden angeht, bin ich skeptisch. Es ist natürlich besser, als wenn gar nichts passiert. Aber oft entsteht ein Strohfeuer an Mildtätigkeit. Es muss möglich sein, dass Menschen nachhaltiger helfen wollen. Es gibt aber keinen Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil man sich auf Weihnachten freut.

Der Fernsehgottesdienst aus der evangelisch-lutherischen Friedenskirche in Nürnberg wird am 21. Dezember ab 9.30 Uhr live im ZDF und im Internet-Livestream übertragen.

aus dem chrismonshop

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