Ver.di verlangt radikale Tarifreform für die Sozialbranche

Gehaltserhöhung

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Ver.di verlangt radikale Tarifreform für die Sozialbranche
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di will das Tarifgefüge in der Sozialbranche gründlich verändern: Eine neue Entgeltordnung soll deutliche Gehaltszuwächse bringen.

"Wir wollen für die rund 240.000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter im öffentlichen Dienst eine bessere Eingruppierung erreichen, die im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung von zehn Prozent bedeutet", sagte Sylvia Bühler vom ver.di-Bundesvorstand dem Evangelischen Pressedienst (epd). Daher habe ver.di die Entgeltordnung für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst gegenüber der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) zum Jahresende gekündigt. Die Bundestarifkommission von ver.di wird voraussichtlich an diesem Donnerstag die Forderung nach einer deutlichen Aufwertung der Sozialberufe endgültig beschließen.


Sylvia Bühler, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen, verlangt außerdem gesetzliche Vorgaben für die Personalausstattung in den Krankenhäusern. In den Kliniken seien in den vergangenen Jahren so viele Stellen abgebaut worden, dass die Personalnot in den Kliniken inzwischen gefährlich für die Patienten und gesundheitsschädlich für die Beschäftigten sei. Die aktuell von der Bundesregierung geplante Krankenhausreform solle den Kliniken den Aufbau zusätzlicher Stellen verordnen, forderte Bühler: "Die Pflegestellen müssten um 20 Prozent aufgestockt werden."

Für 2015 kündigte Bühler auch eine Kampagne für die Gesundheitsberufe an. Die Bezahlung unter anderem für die Pflegekräfte sollte ebenfalls durch eine neue Entgeltordnung deutlich verbessert werden. Außerdem strebe ver.di für den Bereich der Altenpflege allgemeinverbindliche Tarifverträge an. Hier hofft Bühler auf die Unterstützung der Wohlfahrtsverbände, inklusive Caritas und Diakonie, die ebenfalls Lohndumping in der Branche beklagten.

"Am einfachsten wäre es, wenn die Wohlfahrtsverbände gemeinsam einen Tarifvertrag mit ver.di abschließen würden, der dann vom Ministerium für allgemeinverbindlich erklärt werden könnte", sagte die Gewerkschafterin. Dies lehnen allerdings die Kirchen mit großer Mehrheit ab. Sie wollen weiterhin in eigenen Kommissionen Löhne und Gehälter aushandeln, müssen aber nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt die Gewerkschaften zu den Verhandlungen einladen.

Nach Schätzungen sind weniger als zehn Prozent der kirchlich Beschäftigten ver.di-Mitglied. Bühler räumte ein, dass ihre Gewerkschaft hier "noch viel Aufklärungsarbeit" leisten müsse.

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