Bibelserie: "Sohn, warum hast du uns das getan?"

G.A.Funiani, 12jähriger Jesus im Tempel

Foto: akg-images / Cameraphoto

"Der zwölfjährige Jesus im Tempel", Ausschnitt aus einem Ölgemälde von Giovanni Antonio Fumiani (1643-1710)

Bibelserie: "Sohn, warum hast du uns das getan?"
Eltern und ihre Kinder – gerade in der Adventszeit ist das ein sensibles Beziehungsgefüge. In fast jeder Familie folgen Zeiten der Gemeinschaft und Freude munter auf Zeiten der Zwietracht und Überforderung. Schon die Bibel weiß von Wünschen und Hoffnungen, aber auch vom Eigensinn der Eltern und Kinder zu berichten.

Leibesfrucht ist ein Geschenk

1. Mose 15,5; 1. Samuel 2,1; 4,19f; Psalm 127,3
Zu biblischer Zeit bedeuteten Nachkommen großes Glück. Hanna, die lange darunter litt, dass sie keine Kinder bekommen konnte, lobte Gott, als er ihr doch einen Sohn schenkte: "Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht." Kinder waren der Stolz der Eltern. In ihnen, so glaubte man, werde man einst selbst fortleben. So verwundert es nicht, wie Freundinnen einer sterbenden Mutter, die kurz zuvor ihren Mann verloren hatte, Hoffnung machten: "Fürchte dich nicht, du hast einen Sohn geboren!"

Abraham und Sara, die ebenfalls lange kinderlos waren, versprach Gott immer wieder: "Zähle die Sterne. … So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!" Groß war die Freude, als der gemeinsame Sohn dann kam. Umso unbegreiflicher, dass der Vater später bereit war, den geliebten Sohn für Gott zu Opfern. Wie Isaak dieses traumatisierende Erlebnis verarbeitete und ob er je mit seiner Mutter darüber sprach, erwähnt die Bibel leider nicht.

Zitat: "Der Alten Krone sind Kindeskinder." (Sprüche 17,6)

 

Elternpflichten

5. Mose 6,5ff; 6,20f; Sprüche 20,7; Epheser 6,4
Oberste Pflicht der Eltern war es, ihren Kindern den Glauben und gesellschaftliche Regeln zu vermitteln. Immer wieder fordert die Bibel dazu auf, den Kindern den Glauben zu erklären. "Wenn dich nun dein Sohn morgen fragen wird: Was sind das für … Gebote und Rechte, die euch der Herr … geboten hat?, so sollst du deinem Sohn sagen: Wir waren Knechte des Pharao in Ägypten, und der Herr führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand..." Doch nicht nur mündlich sollen Eltern Glaube und Tradition an ihre Kinder weitergeben. Auch das eigene Verhalten zählt: "Ein Gerechter, der unsträflich wandelt, dessen Kindern wird‘s wohlergehen", heißt es da etwa. Und Paulus rät: "Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn."

Zitat: "Du sollst den Herrn, deinen Gott lieb haben von ganzem Herzen … diese Worte … sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen." (5. Mose 6,5-7)

 

Erbittert eure Kinder nicht

Sprüche 3,11f; 13,24; 23,13; Kolosser 3,21
"Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten." Solche Erziehungsratschläge gibt die Bibel Eltern immer wieder. Damals war es überlebenswichtig, dass Menschen sich der bestehenden Ordnung unterwarfen. Wer sich widersetzte, hatte sein Leben quasi schon verwirkt. Das mussten Kinder früh lernen. Gewalt von Vorgesetzten gegenüber ihren Untergebenen und von Eltern ihren Kindern gegenüber wurde als nötiges Mittel angesehen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Man ging auch davon aus, dass Gott sein Volk schmerzhaft strafe, um es auf den rechten Weg zu bringen. Daher auch die biblische Ermahnung: "Mein Sohn, verwirf die Zucht des Herrn nicht …; denn wen der Herr liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn." Heute weiß man: Schläge schmerzen nicht nur körperlich, sondern sie demütigen und verletzen Kinderseelen schwer. Das darf nicht passieren, erkannte schon Paulus und forderte:

Zitat: "Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, damit sie nicht scheu werden." (Kolosser 3,21)

 

Die Eltern ehren

2. Mose 20,12; Sirach 7,29-30; Hesekiel 20,18; Kolosser 3,20; Matthäus 10,35ff
Auch die Kinder hatten Pflichten den Eltern gegenüber. "Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird." Diese Aufforderung fand sogar Eingang in die Zehn Gebote. Ziel war es, die Versorgung der alten Eltern zu sichern. Sie sollten nicht nur materiell unterstützt werden, sondern auch auf respektvolle Behandlung zählen können. "Kinder, gehorcht euren Eltern in allem, denn das gefällt dem Herrn", betont Paulus. Wer seine Eltern ehrt und ihren Rat befolgt, ehrt also zugleich Gott. An ihre Grenzen stoßen Ehre und Gehorsam jedoch da, wo die Eltern selbst nicht vorbildlich leben. "Lebt nicht wie eure Väter, macht euch nicht mit ihren Götzen unrein", mahnt der Prophet Hesekiel. Und Jesus, der das Elterngebot einerseits für gut befindet, betont an anderer Stelle überspitzt: "Ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter. … Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert." Letztlich zählt also immer die Hinwendung zu Gott.

Zitat: "Denke daran, dass du von deinen Eltern das Leben hast; womit kannst du ihnen denn vergelten, was du ihnen verdankst." (Sirach 7,30)

 

Jesus und seine Eltern

Markus 3,33f; Matthäus 1,18ff; Lukas 2,48f; 8,20
Für Maria und Josef war es sicher nicht immer leicht mit ihrem besonderen Sohn. Als Josef erfahren hatte, dass seine Verlobte schwanger war – und zwar nicht von ihm –  plante er zunächst, "sie heimlich zu verlassen". Schließlich entschied er sich aber doch, zu bleiben und für seinen Stiefsohn zu sorgen. Ob es ihm wehtat, als Jesus, den die Eltern bei einem Besuch in Jerusalem aus den Augen verloren und im Tempel wiedergefunden hatten, sagte: "Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?" Auch als seine Mutter und seine Geschwister später einmal zu ihm kamen und "wegen der Menge nicht zu ihm gelangen" konnten, reagierte Jesus nicht gerade freundlich und meinte nur: "Wer ist meine Mutter und meine Brüder?"

Zitat: "Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht." (Lukas 2,48)

 

Vater des verlorenen Sohnes

Lukas 15,11-32
Allzu schlecht kann das Verhältnis zwischen Jesus und seinem irdischen Stiefvater Josef wohl nicht gewesen sein. Wie sonst hätte Jesus später ein so eindrückliches Gleichnis für die Liebe Gottes finden können, wie das Gleichnis vom Vater des Verlorenen Sohnes. Dieser namenlose Vater ist ein Vater, wie ihn sich wohl jeder wünscht: Er zahlte seinem Sohn das Erbe aus und ließ ihn in die Welt ziehen und eigene Erfahrungen machen. Nachdem der Sohn all das Geld in der Fremde verprasst hat und reumütig zurückkehrt, schließt der Vater ihn in die Arme und gibt ein großes Wiedersehensfest: "Dieser mein Sohn war tot und ist lebendig geworden!", freut er sich. Der Bruder des verlorenen Sohnes war mit der väterlichen Großherzigkeit allerdings nicht einverstanden, sondern ließ seiner Eifersucht freien Lauf. Doch auch bei ihm zeigt sich des Vaters Klugheit; er bittet ihn geduldig, mitzufeiern. Wer so einfühlsame und dennoch bestimmte Eltern hat, kann sich wahrlich glücklich schätzen.

Zitat: "Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn." (Lukas 15, 20)

 

Gott – wie Vater und Mutter

5. Mose 32,6; Jesaja 66,13; Jeremia 31,9; Sirach 23,1; Matthäus 6,9-13
"Herr, Vater und Herrscher über mein Leben, verlass mich nicht!" Mit diesen Worten beteten die Menschen in biblischer Zeit zu Gott.

Der antwortete durch den Propheten Jeremia mit väterlicher Fürsorge: "Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten …, denn ich bin Israels Vater." Jene Israeliten, die Gottes Vaterschaft nicht anerkannten, erinnerte der Psalmist: "Ist er nicht dein Vater und dein Herr? Ist's nicht er allein, der dich gemacht und bereitet hat?" Auch das im Neuen Testament überlieferte "Vaterunser" ist ein Zeugnis des Vater-Titels für Gott. Doch die Bibel betont auch die mütterliche Seite Gottes, zum Beispiel, wenn Gott verspricht:

Zitat: "Wie eine Mutter werde ich euch trösten." (Jesaja 66,13)

Elternschaft war zu biblischer Zeit ein wesentliches Lebensziel. Hoffte man doch, einst in den Kindern weiterzuleben. Aufgabe der Eltern war es, ihre Kinder zu gottesfürchtigen und angepassten Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen – im Zweifel auch mit Gewalt. Wie die Eltern für ihre Kinder zu sorgen hatten, sollten die Kinder später auch für ihre alten Eltern sorgen. Gilt es allerdings, zwischen den Eltern und einem gottgefälligen Lebensweg zu entscheiden, rät die Bibel, ganz auf Gott zu setzen.
 

aus dem chrismonshop

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