Christen in Pakistan wegen Gotteslästerung gelyncht

Christen in Pakistan wegen Gotteslästerung gelyncht
Immer wieder gibt es in dem Land tödliche Vorfälle aufgrund von Blasphemie-Vorwürfe. Im aktuellen Fall soll der Arbeitgeber zweier Christen die Dorfbevölkerung mit der Behauptung angestachelt haben.
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Wegen angeblicher Gotteslästerung ist in Pakistan ein christliches Ehepaar von einem wütenden Mob gelyncht worden. Danach verbrannte die Menge die beiden in einem Dorf in der Nähe der ostpakistanischen Stadt Lahore in einem Ziegel-Ofen, wie die pakistanische Zeitung "Express Tribune" am Dienstag berichtete. Der 35-jährige Shahzad Masih und seine 31-jährige Frau Shamah, arbeiteten in einer der zahlreichen Ziegeleien der Gegend. Als sie sich wegen vorenthaltenen Lohns wehren wollten, sperrte der Fabrikbesitzer sie nach Berichten des Senders Geo TV ein und streute das Gerücht, das Paar habe den Koran entweit. Daraufhin ging das Dorf angeführt vom lokalen islamischen Geistlichen auf die vierfachen Eltern los.

In Pakistan kann schon der bloße Verdacht der Gotteslästerung tödliche Folgen haben. Immer wieder kommt es zu blutigen Ausschreitungen gegen angebliche Missetäter. Erst jüngst bestätigte ein Gericht in Lahore die Todesstrafe für die Christin Asia Bibi, die im November 2010 von einem Gericht wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tod durch den Strang verurteilt worden war. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich die fünffache Mutter abfällig über den Propheten Mohammed geäußert habe. Die Frau bestreitet diese Anschuldigung. Auch Bibi droht in ihrer Haftanstalt Selbstjustiz durch Mitgefangene und Personal. Christen machen etwa zwei Prozent der pakistanischen Bevölkerung von rund 180 Millionen aus.

Menschenrechtler fordern immer wieder eine Reform von Pakistans harschem Blasphemie-Gesetz, weil es aus ihrer Sicht für Racheakte und Behördenwillkür missbraucht wird. Doch alle Versuche, das Gesetz zu ändern, scheiterten stets am Widerstand religiöser Hardliner. Zwei wichtige Politiker wurden 2011 ermordet, weil sie eine Lockerung forderten: Anfang Januar 2011 wurde der liberale Gouverneur Salman Taseer getötet und Anfang März 2011 der Minister für religiöse Minderheiten, der Christ Shabaz Bhatti.

Auch Anwälte, die Menschen verteidigen, weil sie der Blasphemie beschuldigt werden, sind ihres Lebens nicht sicher. Im Mai wurde ein Strafverteidiger in seinem Büro in Multan erschossen, weil er einen auf Grundlage des Gesetzes angeschuldigten Universitätsprofessor vertreten hatte.

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