Müntefering: Nicht immer neue "Helden der Selbsttötung" feiern

Müntefering: Nicht immer neue "Helden der Selbsttötung" feiern
Nach dem vermuteten Suizid des früheren MDR-Intendanten Udo Reiter appeliert Franz Müntefering, eine Selbsttötung nicht zu glorifizieren.

Der frühere SPD-Vorsitzende und Sterbehilfe-Gegner Franz Müntefering hat sein tiefes Bedauern über den Tod des Journalisten Udo Reiter geäußert und zugleich dessen Argumentation für die Selbsttötung kritisiert. "Das kann nicht sein, dass immer die neuen Helden der Selbsttötung gefeiert werden", sagte er am Samstagabend in der ZDF-Sendung "aspekte" im Hinblick auf eine zu erwartende Berichterstattung über den Suizid des früheren MDR-Intendanten.

Im Streitgespräch mit dem Arzt und Sterbehelfer Uwe-Christian Arnold sagte Müntefering weiter: "Wenn jemand wie Reiter oder andere sagen, ein Leben ist für mich nicht lebenswert, wenn ich gewindelt werden muss oder wenn ich dement bin, dann ist das eine Aussage über andere Menschen." Durch eine solche Aussage, so Müntefering, erhebe man sich über andere. "Ich muss schon überlegen: Wie wirkt mein Verhalten auf andere Menschen, was bedeutet das eigentlich innerhalb der Gesellschaft, wie müssen sich eigentlich andere fühlen? Zum Beispiel Krankenpflegerinnen, die pflegen den ganzen Tag solche Menschen, die er da Trottel nennt. Das finde ich, ist mehr als ein Kulturbruch."

Der Mitbegründer und ehemalige Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks wurde am Freitag erschossen auf der Terrasse seines Hauses bei Leipzig gefunden. Die Polizei geht von einem Suizid aus. Der 70-Jährige saß seit einem Autounfall im Jahr 1966 im Rollstuhl. Er hatte immer wieder für ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben plädiert und hatte noch vor einer Woche in einer TV-Gesprächsrunde über Sterbehilfe diskutiert.

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